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Historische Kartenwerke  (gelesen 8404 mal)

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Offline kalle

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Re: Historische Kartenwerke
« Antwort #10 am: 25. Mai 2007 - 09:33 Uhr »
...Ich finde Stainers Herleitung etwas wackelig. Wieso sollte gerade ein Elmer damals Besitze im Bereich Elbigenalp/Holzgau gehabt haben?...

Auch ich finde diese Ableitung sehr fraglich. Ich kann mir irgendwie nicht vorstellen, dass man von "Elmer" auf "Herman" kommen soll? Kommt mir ziemlich "an den Haaren herangezogen" vor.

Das ein Elmer meinetwegen durch irgendwelche Umstände Besitzungen im Bereich von Elbigenalp erlangt hat, das kann ja sein, aber ich kann wie gesagt nichts mit der Abwandlung des Namens anfangen und es erscheint mir in keinster Weise logisch.
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livocatra

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Re: Historische Kartenwerke
« Antwort #11 am: 25. Mai 2007 - 10:21 Uhr »
Auch ich finde diese Ableitung sehr fraglich. Ich kann mir irgendwie nicht vorstellen, dass man von "Elmer" auf "Herman" kommen soll? Kommt mir ziemlich "an den Haaren herangezogen" vor.
Hermannskar => Oermerskar => Ölbmers Kärle = Elbmers Kar

Wenn man bedenkt, dass die Kartografen tausende von Flurnamen in ihre Karten eintragen mussten und die wenigsten von ihnen die lokalen Dialekte, die ja oft schon von Dorf zu Dorf unterschiedlich sind, gesprochen haben, dann kann ich es mir schon vorstellen. Die im Gespräch mit Einheimischen wahrgenommene phonetische Lautfolge wurde einfach auf ein ähnlich klingendes hochdeutsches Wort gemapped und weiter ging es mit dem nächsten Flurnamen.
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Offline Kristian

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Re: Historische Kartenwerke
« Antwort #12 am: 25. Mai 2007 - 12:55 Uhr »
Ich halte solche Herleitungen schon für realistisch.


Wenn ein Gebiet nur von einem Stamm besiedelt wurde, dann lässt sich sowas noch ganz gut zurückverfolgen.

Schwierig wird´s dann, wenn Namen auf alte Sprachen zurückgehen, so das Rätoromanische im Inntal oder das Keltische im Allgäu.

Aber selbst wenn die gleiche Hochsprache zu Grunde liegt, gibst reichlich Missverständnisse.

Ein gutes Beispiel ist das Löwental.(Eigentlich schon ein blödsinniger Name weil es dort nach den Eiszeiten niemals Löwen gab)

Als das Gebiet bayrisch wurde und es die Münchner Kartographen vermessen haben konnten sie mit dem walserischem Leu, Lau, oder Lauital nichts anfangen.

Sie stellten einfach zu einem ihnen bekannten (alt)deutschen Wort (Leu = der Löwe)http://de.wikipedia.org/wiki/L%C3%B6we einen Bezug her und übertrugen es in zeitgemäßes Hochdeutsch.

Und so entstand das Löwental.
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Offline stefan

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Re: Historische Kartenwerke
« Antwort #13 am: 30. Mai 2007 - 11:47 Uhr »
Bin gerade erst auf dieses interessante Thema gestoßen und kann noch einige Ergänzungen machen.
- Hermannskar(spitze): Wie sich der Name genau herleitet weiß ich zwar auch nicht, doch erwähnt ihn Hermann von Barth bereits in seinem Buch über die "Nördlichen Kalkalpen" (Kapitel Krottenkopf) und kann somit also nicht nach ihm selbst benannt sein.
- wie rps schon richtig gesagt hat, handelte es sich um (noch aus dem Mittelalter stammend) einzelne Herrschaftsrechte, die teilweise weit verstreut waren. Es gab also auch nicht wie heute feste (Gemeinde)Grenzen und von diesen eingeschlossene Flächen, über die man Rechte ausübte, sondern die Rechte waren an einzelne Personen gebunden. Die Flächigkeit von Herrschaft enstand dann erst im Laufe der Frühen Neuzeit durch die Konzentration dieser Recht meist um den Herrschaftssitz herum.
- die Mobilität der Menschen früherer Zeiten darf nicht unterschätzt werden. Besonders im Hoch- und Spätmittelalter war die Bevölkerung so stark angestiegen, dass in immer höheren Lagen gesiedelt werden musste, um die Versorgung mit Nahrung sicherzustellen. Als nach der ersten großen Pestwelle im 14. Jahrhundert die Bevölkerung stark dezimiert war, setzte ein gegenläufiger Prozess ein und die Bewohner ertragsarmer Höfe/ Alpen wechselten häufig auf die freigwordenen besseren Höfe, teilweise auch über größere Distanzen (ein Umzug fiel damals wegen des bescheidenen Besitzes vieler Bauern auch nicht schwer, z. T. wurde das ganze Haus ab- und an neuer Stelle wieder aufgebaut)
- so fraglich finde ich Steiners Herleitung also nicht. Zudem hat er auch schon längere Zeit mit dem Thema Orts- und Flurnamen zu tun (Historisches Ortsnamenbuch von Bayern, Band Füssen), wird also vermutlich keine allzu fadenscheinigen Thesen aufstellen.
- weitere historische Karten (von Bayern) gibt es hier: http://www.bayerische-landesbibliothek-online.de/
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livocatra

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Re: Historische Kartenwerke - Hermannskarspitze
« Antwort #14 am: 30. Mai 2007 - 13:05 Uhr »
@stefan: Danke für den Link zu den historischen Karten und die interessanten Ergänzungen.

Am Wochenende habe ich angefangen, die Einleitung zu Thaddäus Steiners Allgäuer Bergnamenbuch zu lesen. Dort erwähnt er die Hermannskarspitze als ein typischen Beispiel für eine mundartliche Benennung, auf die einfach ein ähnlich klingendes hochsprachliches Wort übertragen wurde. Schon (Anton?) Spiehler -- das dürfte Max interessieren --  hat sich im 19. Jahrhundert über solche Übertragungsfehler aufgeregt.
« Letzte Änderung: 30. Mai 2007 - 14:20 Uhr von rps »
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Offline Max

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Re: Historische Kartenwerke
« Antwort #15 am: 30. Mai 2007 - 21:50 Uhr »
Genau Ralf, Spiehler ist mittlerweile so eine Art Vorbild für mich. Fast in jeder Einleitung zu seinen Berichten in den AV-Zeitschriften 1885 - 88 versucht er über die Gipfelbenennung Klarheit zu schaffen und unsinnige Bezeichnungen zu widerlegen...
Hab da noch folgendes Zitat von Spiehler gefunden:
"Die leidige Sucht den im Volksmund gebräuchlichen Ortsbezeichnungen nach ihrem ungefähren Klang ohne weitere Kritik ein hochdeutsches Wort unterzuschieben, mag auch dem zu diesem Thal gehörigen Hermannskar zu seiner jetzigen Namensform verholfen haben"

Gruß, Max
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