Bergsport und Corona?

Figltour Fallenbacher Joch (2753m)  (gelesen 3086 mal)

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Offline Die_Grenzgaenger

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Figltour Fallenbacher Joch (2753m)
« am: 08. Mai 2011 - 18:34 Uhr »
Gestern sind wir und zwei Bekannte von uns von Bach aus in aller Frühe zum Fallenbacher Joch aufgebrochen. Natürlich die Figl im Gepäck. An erster Stelle sollte der Abfahrtsspass stehen und die Holzgauer Wetterspitze wollten wir, wenn zeitlich noch möglich und der Aufstieg aper ist, noch mitnehmen.
Allein für den Weg bis zum Felsabbruch am Ende des Grießltals brauch man bei strammer Gehweise etwa 2h. Nachdem wir in dieser Ecke noch nie waren, und die Informationen zur Überwindung der Steilstufe sehr spärlich sind, haben wir erst mal das Gelände sondiert und die Schneefelder gecheckt. Den Zustieg zu dem Steiglein hinauf zum Fallenbacher See haben wir bald gefunden aber nach ein paar Metern war kurzzeitig erst mal Schluss mit Weitergehen. Ein Rudel von ca. 25 Steinböcken blockierten teilweise den Weg.  :o ??? Und diese Wegelagerer machten überhaupt nicht den Eindruck als wenn sie wegen uns Platz machen würden. So was tun wir jetzt. Sind Steinböcke angriffslustig oder flüchten sie, wenn wir uns nähern. Wir verhielten uns ruhig und warteten erst mal ab was passieren würde. Ab hier schien die Zeit still zu stehen. Die Steinböcke schauten auf uns und wir auf sie, Auge in Auge.
Damit nun doch endlich mal etwas Bewegung in das Rudel hinein kommt, näherten wir uns langsam und erst als wir etwa 10m vor ihnen standen machten sie sich langsam und schlaftrunken auf die Hufe und zogen nur extrem wiederwillig etwas weiter. Dabei traten sie allerlei Geröll los und brachten uns noch in eine brenzlige Situation. Gut, dass wir alle Helme aufhatten, aber lustig war die Lage trotzdem nicht. Letztendlich verdrückte sich das Rudel und wir konnten ohne Blessuren unsere Wanderung fortsetzen.
Da der Steig noch etwa zur Hälfte mit Schneefeldern bedeckt ist, welche teils gefroren waren, haben wir unsere Steigeisen sicherheitshalber ausgepackt. Ein Abrutschen in diesem Gelände hätte vermutlich tötliche Folgen.
Nach einer halben Ewigkeit erreichten wir doch noch den ausgetrockneten und grösstenteils schneebedeckten Fallenbacher See. Ab hier liegt noch eine geschlossene Schneedecke, was wir erwartet haben. Obwohl die Spurerei durch den aufgefirnten Schnee teilweise sehr anstrengend war, kamen wir zügig voran und erreichten ohne Schwierigkeiten das Fallenbacher Joch.  :-L)
Hier oben zur "Winterszeit" kommt man sich ziemlich einsam und der Natur ausgesetzt vor. Was die Natur duch einen donnernden Wächtenbruch gegenüber an der Feuerspitze umgehend demonstrierte. Im späten Frühjahr ist die Lawinengefahr in den lechtaler Bergen nicht mehr so akut, wie im Winter, dafür muss man ständig mit Steinschlag und abbrechenden Wächten rechnen.
Für die Holzgauer Wetterspitze war es inzwischen natürlich zu spät geworden. Und nach dem langen Aufstieg war unserer Kondition auch ziemlich strapaziert worden.  :sporty: Wir waren doch wegen der Abfahrt im Fallenbachertal hier hinauf gestiegen und diese wollten wir dann auch geniessen.
Die gut 600 Höhenmeter Abfahrt hielt dann auch das, was wir uns erhofft hatten, nämlich beste Verhältnisse für die Figl: 10cm Sulz auf fester Unterlage.  :ski: Am Fallenbacher See angekommen stand jedem das Grinsen ins Gesicht gemeisselt. Einfach grandios diese Abfahrt in dieser gewaltigen Landschaft.  :klatscht:
Jetzt wurde es aber Zeit um ins Grießltal hinunter zu kommen, bevor der Tag zu Ende geht. Am Talgrund angekommen mussten wir noch einen Umweg in Kauf nehmen, da die Steinböcke einige Hundert Höhenmeter oberhalb des Steigendes immer noch mit Steinewerfen beschäftigt waren. Und da kamen keine Kieselsteine herunter. Als wenn sie ihr Revier gegen Eindringlinge verteidigen würden. Diese Mistviecher!

Diese Tour sollte aber nur derjenige unternehmen, der im Umgang mit Schneefeldern geübt ist und sich im weglosen Gelände zurecht findet! Sowie sich mit alpinen Gefahren im Winter auskennt.

Grüsse Die_Grenzgänger
« Letzte Änderung: 08. Mai 2011 - 18:53 Uhr von Die_Grenzgaenger »
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Offline Die_Grenzgaenger

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Re: Figltour Fallenbacher Joch (2753m)
« Antwort #1 am: 08. Mai 2011 - 18:41 Uhr »
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Offline tubeblogger

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Re: Figltour Fallenbacher Joch (2753m)
« Antwort #2 am: 08. Mai 2011 - 21:50 Uhr »
Super Bilder - super Tour
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Offline Chris

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Re: Figltour Fallenbacher Joch (2753m)
« Antwort #3 am: 09. Mai 2011 - 07:44 Uhr »
Dem kann ich mich nur anschließen! Bravo!  :bravo Da hat es mit Eurer Tour zum Fallenbacher Joch also doch noch geklappt.  ;)

Da der Steig noch etwa zur Hälfte mit Schneefeldern bedeckt ist, welche teils gefroren waren, haben wir unsere Steigeisen sicherheitshalber ausgepackt. Ein Abrutschen in diesem Gelände hätte vermutlich tötliche Folgen.
Nach einer halben Ewigkeit erreichten wir doch noch den ausgetrockneten und grösstenteils schneebedeckten Fallenbacher See. Ab hier liegt noch eine geschlossene Schneedecke, was wir erwartet haben.

Die Situation kann ich nachvollziehen. Als mein Vater und ich Anfang Juni 2008 zum Fallenbacher See aufsteigen wollten, war die Situation ähnlich: Oberhalb der Baumgartalm waren noch riesige Schneefelder. Wir hatten allerdings keine Steigeisen dabei. Deswegen sind wir sicherheitshalber umgekehrt, als es uns mit dem Schnee zu viel wurde.
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Offline Geröllschleicher

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Re: Figltour Fallenbacher Joch (2753m)
« Antwort #4 am: 09. Mai 2011 - 18:38 Uhr »
Die lieben Steinböcke vom Fallenbacher Tal hatten wohl keinen Bock auf sumpfige Scheefelder und sind in tiefere Regionen ausgewichen. Im Sommer hängen die normal gerne oben am Pleisspitzengrat und am Etlerkopf ab.
Gruß Geröllschleicher
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Offline Die_Grenzgaenger

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Re: Figltour Fallenbacher Joch (2753m)
« Antwort #5 am: 09. Mai 2011 - 19:09 Uhr »
Danke an alle für die lobenden Worte zur Tour!

@Geröllschleicher: Wir habn selten so flegmatische und faule Tiere in der Bergwelt erlebt wie diese Steinböcke. Sind halt auch bloß Lebewesen und gegen den Weg des geringsten Widerstandes.

Grüsse Die_Grenzgänger
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Offline bergamigo

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Re: Figltour Fallenbacher Joch (2753m)
« Antwort #6 am: 09. Mai 2011 - 19:15 Uhr »
Mir kommt`s so vor als ob sich die Truppe ständig um die Wetterspitze, Feuerspitze und Fallenbacher Spitze rumtreibt, die Viecher sollen standorttreu sein. Anfang Juni letzten Jahres war die ganze Mannschaft am Weg von der Simmshütte zum Fallenbacher Joch, die Herren der Schöpfung sonnten sich da auch im September, während die Jungmannschaft in begleitung ihrer Mütter mir den Weg von der Feuerspitze über den Fallenbacher Kamm zweigen wollte.
Agressiv sind sie aber nun wirklich nicht, nur im hinblick auf Steinschlag um einiges weniger aufgeregt als wir, wahrscheinlich liegt das auch daran das sie selber wesentlich flotter als wir aus der Schusslinie sind.
Ich komm mit ihnen gut aus, die sind halt neugirig und nur weil sie keine Jagd kennen nicht scheu. Seit zig Steinbockgenerationen wurden sie nicht gejagt, vor tausend Jahren hätte man sich in der Gegend sicher jedem Viech auf 10m nähern können, damals gabs noch keine Präzisonsjagdgewehre mit Zielfernrohr mit denen selbst halbblinde und (leicht-)zitternde ihr Ziel treffen.
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Offline i mori

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Re: Figltour Fallenbacher Joch (2753m)
« Antwort #7 am: 09. Mai 2011 - 23:39 Uhr »
Hallo,
hab die Tour am letzten Hütten-WE in 2009 gemacht. Ein tolles Tal an der Baumgartner Alm/Fallenbacher See und auch ich hatte Steinbock-Hindernisse am Abstieg zur Simms-Hütte. Umso mehr sollte man sich an den Tieren ein Beispiel nehmen, mal dazu sitzen und sich viiiiieeel Zeit nehmen.
Danke für den Bericht, für mich wär's wohl nix.
Gruß, Jens
« Letzte Änderung: 10. Mai 2011 - 07:15 Uhr von u mori »
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