Bergsport und Corona? || Spammer und Softwarefehler

Heute im Lechtal...  (gelesen 9369 mal)

0 User und 1 Gast betrachten dieses Thema.

Offline Lampi

  • alpic.Mitglied
  • Beiträge: 1.522
    • Touren by Lamл[tm]
Re: Heute im Lechtal...
« Antwort #10 am: 23. Jan 2017 - 13:11 Uhr »
Ich beziehe meine Informationen vom Tiroler Lawinenwarndienst, der seit Tagen vor einem "heimtückischen Altschneeproblem in schattseitigen Hängen" mit unmissverständlichen Worten warnt.
Da gibt es natürlich noch die Möglichkeit, dass am betreffenden Hang bereits eine einigermaßen flächendeckende Lawine abgegangen ist. Altschneeprobleme erledigen sich damit oftmals (meistens?).

Und: das wird noch viel schlimmer (Vorausgesetzt, Skitouren boomt weiterhin)
Dieser Aussage liegt ein stochastischer Fehler zu Grunde. Das andere Szenario ist auch denkbar:
Sicher ist: EINE Lawine kann nur EINMAL zuschlagen
These: Die so genannten Modetouren werden bereits so häufig begangen, dass jeder mögliche Unfall auch eintritt (außer, es sind Leute unterwegs, die es echt darauf absehen).
In diesem Fall wird eine Ausweitung der Tourengänger keine Erhöhung der Anzahl der Opfer bewirken.

Das wäre jetzt die extreme Gegenargumentation. Die Wahrheit wird irgendwo dazwischen liegen.

Es gibt noch einen weit hergeholten Vergleich
Die älteren Herrschaften erinnern sich sicher noch daran, dass beim Klettern "der Seilerste nicht fällt". Dynamische Seile und gute Sicherungsmittel haben dem Sturz beim Klettern den Schrecken genommen. Vorausgesetzt, die feinen Dinge werden auch genutzt und es wird nicht heldenhaft (oder des Kicks wegen) 20 Meter ungesichert ausgestiegen.
Wenn das Schitourengehen noch mehr boomt, werden vielleicht auch mal Mittel entwickelt, die eine Verschüttung mit hoher Wahrscheinlichkeit ungefährlich machen. Sehen wir mal, was unsere Kinder und Enkel so tun werden.

Es gibt auch einen noch weiter hergeholten, aufgrund der riesigen Grundgesamtheit allerdings unzweifelhaft signifikanten Ansatz: Je höher der Anteil an Radfahrern auf der Straße ist, um so unwahrscheinlicher ist es für den einzelnen Radfahrer, tödlich zu verunglücken. Ab einem bestimmten (allerdings sehr hohen) Anteil ist sogar die Gesamtzahl verunglückter Radfahrer rückläufig. Die Übertragbarkeit ist zweifellos fragwürdig.
  • hilfreich

Offline Zwack

  • alpic.Mitglied
  • Beiträge: 583
Re: Heute im Lechtal...
« Antwort #11 am: 23. Jan 2017 - 15:06 Uhr »
"Da gibt es natürlich noch die Möglichkeit, dass am betreffenden Hang bereits eine einigermaßen flächendeckende Lawine abgegangen ist. Altschneeprobleme erledigen sich damit oftmals "

Darauf würd ich mcih aber überhaupt nicht verlassen!
Die Tatsache, daß eine Lawine schon abgegangen ist, bedeutet nicht zwangsläufig, daß der Hang entladen oder sicher ist.

Offline Schorsch_KFB

  • alpic.Mitglied
  • Beiträge: 296
Re: Heute im Lechtal...
« Antwort #12 am: 23. Jan 2017 - 17:22 Uhr »
Das Leben mit den Jahreszeiten haben aber die meisten bereits verlernt. Auch hier in der Freizeit wird großzügig "konsumiert" was das Herz begehrt.

Da ist auch was Wahres dran: beim ersten Schnee im November springen alle, jetzt auch no. Wenns richtig gut wird ab Ende März geht fast keiner mehr - naja, au übertrieben, aber der große Hype ist eigentlich nicht zur Tourensaison.

Im Grunde passiert eh recht wenig, wenn man bedenkt, wieviele Menschen mittlerweile unterwegs sind.
  • hilfreich

Offline sven86

  • alpic.Mitglied
  • Beiträge: 218
Re: Heute im Lechtal...
« Antwort #13 am: 23. Jan 2017 - 18:47 Uhr »
Da scheinen im Lechtal im Winter wohl vom Typ her andere Leute unterwegs zu sein als im Sommer?

Undenkbar wäre jedenfalls im Sommer eine Schlägerei, wie vor ein paar Jahren am Tauberspitz, darüber wer nun zuerst eine jungfräuliche, unverspurte Geröllrinne abfahren darf  ;)

(hier noch der Link zur Anekdote: http://tirol.orf.at/news/stories/2529969/ )
  • hilfreich

Offline Andi

  • alpic.Mitglied
  • Beiträge: 531
Re: Heute im Lechtal...
« Antwort #14 am: 23. Jan 2017 - 21:15 Uhr »
@ Andi: Welchen Hang zeigt denn das Foto?

Das ist die Tauberspitze. Der betreffende Hang liegt schattseitig oberhalb von 2000 m. Er ist über 35° seil und bekommt im Hochwinter keine Sonne ab. Hier ist mit einem Altschneeproblem zu rechnen. Außerdem liegt dort recht wenig Schnee, man kann erahnen, dass die Schneedecke dort recht inhomogen ist. Das bedeutet, dass der Skitourengänger mit hoher Wahrscheinlichkeit auch Übergangsbereiche von mehr zu wenig Schnee berührt - das sind die Bereiche, in denen Schneebretter besonders leicht durch geringe Zusatzbelastung ausgelöst werden können. Für den betreffenden Bereich galt und gilt an den betreffenden Tage die Lawinenwarnstufe 3. Wobei die Zahl hier auch wenig über die Störanfälligkeit aussagt - ein nötiges Kriterium für Warnstufe 4 wäre, dass die Lawinen auch große Ausmaße annehmen kann. Dafür liegt hier halt zu wenig Schnee. Die potenzielle Mächtigkeit der Lawine mindert aber das Unfallrisiko kaum. Daher spielt das im Text des Lageberichts beschriebene Gefahrenmuster die noch wichtigere Rolle als die Zahl im Lagebericht.

Offline obadoba

  • alpic.Mitglied
  • Beiträge: 373
    • EngelChronik
Re: Heute im Lechtal...
« Antwort #15 am: 24. Jan 2017 - 21:27 Uhr »
Ich bin ein bisserl spät dran, aber ein wenig Senf hab ich auch noch.

... 40 + X Leute am Tschachaun (nordseitige Stelle mit 35° auf knapp 2100m ...

Grad bei den Mode-Touren wie beim Tschachaun kann man doch von einer Reduktion der Lawinengefahr nach Munter wegen 'viel befahren' ausgehen. Den hätte ich am Samstag durchaus auch in Betracht gezogen (wenn er nicht wegen des karawanen-artigen Aufstiegs aus der Auswahl gefallen wäre).
  • hilfreich

Offline Lampi

  • alpic.Mitglied
  • Beiträge: 1.522
    • Touren by Lamл[tm]
Re: Heute im Lechtal...
« Antwort #16 am: 24. Jan 2017 - 21:29 Uhr »
"Da gibt es natürlich noch die Möglichkeit, dass am betreffenden Hang bereits eine einigermaßen flächendeckende Lawine abgegangen ist. Altschneeprobleme erledigen sich damit oftmals "
Darauf würd ich mcih aber überhaupt nicht verlassen!
Die Tatsache, daß eine Lawine schon abgegangen ist, bedeutet nicht zwangsläufig, daß der Hang entladen oder sicher ist.
Verlassen kann man sich auf nichts und sicher ist auch nichts. Nur *unwahrscheinlicher*. Es könnten z.B.  noch weitere Unfallquellen vorhanden sein.

Für den betreffenden Bereich galt und gilt an den betreffenden Tage die Lawinenwarnstufe 3. Wobei die Zahl hier auch wenig über die Störanfälligkeit aussagt - ein nötiges Kriterium für Warnstufe 4 wäre, dass die Lawinen auch große Ausmaße annehmen kann. Dafür liegt hier halt zu wenig Schnee.
Was die Dicke nicht macht, kann durchaus die Fläche machen. Bei Altschneeproblemen kommt nicht selten der ganze Hang auf einmal runter. Daher auch das Attribut "Heimtückisch"
  • hilfreich

Offline Andi

  • alpic.Mitglied
  • Beiträge: 531
Re: Heute im Lechtal...
« Antwort #17 am: 24. Jan 2017 - 21:43 Uhr »
Grad bei den Mode-Touren wie beim Tschachaun kann man doch von einer Reduktion der Lawinengefahr nach Munter wegen 'viel befahren' ausgehen.

Ist es in diesem Fall nicht so, dass zuerst (Alt)schnee lag, auf dem keine Skitouren möglich waren und dann kam auf einmal eine einigermaßen große Menge Schnee? Und dann kamen auf einmal die Tourengeher, wahrscheinlich die ersten diesen Winter, weil vorher keine sinnvollen Touren dort möglich waren? Daher spielt das Kriterium 'viel befahren' hier absolut keine Rolle oder? Ich habe ja zugeschaut, wie sie auf völlig unberührtem Pulver (im Entenmarsch ohne Abstände) gespurt haben.
  • hilfreich

Offline Lampi

  • alpic.Mitglied
  • Beiträge: 1.522
    • Touren by Lamл[tm]
Re: Heute im Lechtal...
« Antwort #18 am: 25. Jan 2017 - 10:50 Uhr »
Ist es in diesem Fall nicht so, dass zuerst (Alt)schnee lag, auf dem keine Skitouren möglich waren und dann kam auf einmal eine einigermaßen große Menge Schnee? Und dann kamen auf einmal die Tourengeher, wahrscheinlich die ersten diesen Winter, weil vorher keine sinnvollen Touren dort möglich waren? Daher spielt das Kriterium 'viel befahren' hier absolut keine Rolle oder? Ich habe ja zugeschaut, wie sie auf völlig unberührtem Pulver (im Entenmarsch ohne Abstände) gespurt haben.
In diesem Fall beißen die ERSTEN die Hunde (sonst sind es immer die letzten.)

Ansonsten herrscht jetzt schon weitestgehend Wanrstufe 2 und wir sollten die Diskussion etwas herunterfahren.
  • hilfreich

Offline jabal

  • alpic.Mitglied
  • Beiträge: 17
Re: Heute im Lechtal...
« Antwort #19 am: 25. Jan 2017 - 17:46 Uhr »
Da ich letzte Woche nur in den Ammergauern und nicht im Außerfern unterwegs war, habe ich direkt beim LWD über ihre Einschätzung der Lawinensituation im Außerfern nachgefragt. Die Antwort kam postwendend:

Lieber Rudi, lieber Patrick!

Angestoßen durch folgenden Forumsbeitrag
http://www.alpic.net/forum/skitouren/heute-im-lechtal-5731/
drängen sich mir ein paar Fragen zur Lawinensituation im Außerfern in der vergangen Woche und insbesondere am Wochenende 21./22.01.2017 auf.
Gleich vorab: Selbst war ich in der Woche zuvor nur einmal im Bereich Reutte, vor allem aber in den Ammergauern unterwegs, nordseitig unter 2000m und südseitig unter2200m, so dass ich keine Rückmeldungen zur Situation im Außerfern geben kann.
1. Die Situation im Randbereich der Alpen ist klimabedingt oft anders, aber natürlich nicht immer. Wie akut ist das Altschneeproblem im Außerfern im Vergleich zum Hauptkamm? Gefunden hab ich nur folgende Schneeprofile:
Hornbachjoch 22.01.17
https://lawis.at/profiles/snowprofile_5429.png?v=186.28205034134123
Kaisers Hahnleskopf 21.01.17!!!, eher arid und damit nicht übertragbar
https://lawis.at/profiles/snowprofile_5416.png?v=25.415277708014816
Nesselwängle Almboden 15.01.17, kantige Kristalle am Boden kaum mehr störbar
https://lawis.at/profiles/snowprofile_5257.png?v=809.352796009093
Wankspitze 12.01.17!
https://lawis.at/profiles/snowprofile_5204.png?v=340.36201878229895
Jöchelspitze 08.01.17!!!, dünne Schwimmschneeschicht auf Kruste am Boden
https://lawis.at/profiles/snowprofile_5142.png?v=629.4250617057395
Leider finden sich noch kaum Schneeprofile für den im Blog angesprochenen Tourenbereich Berwang –Namlos.
Spekulativ und nur am PC sitzend meine Einschätzung: kein flächendeckendes Altschneeproblem wie am Hauptkamm
2. Falls die Situation im Außerfern tatsächlich anders zu bewerten ist, besteht die Gefahr, dass Tourengeher, die vornehmlich hier unterwegs sind, den LWD systematisch unterschätzen und in einer anderen Region damit hereinfallen.
3. Schön, dass Ihr auf Eurer Seite https://lawine.tirol.gv.at/schnee-lawineninfo/schneeprofile/ die Schneeprofile zur Verfügung stellt. Für die schnellere Suche wäre eine weitere Schaltfläche für die Subregion hilfreich, wie Ihr das bereits bei den Messstationen macht.

Vielen Dank und herzliche Grüße aus dem Ostallgäu

Antwort:

Danke! Im Gegensatz zu letztem Jahr haben wir auch im Außerfern sowie den Nordalpen ein Altschneeproblem. Genügend Rückmeldungen von Lawinenabgängen nach den ersten Schneefällen ab 04.01. zeigten dies ebenso wie einige Schneeprofile...
Die Situation hat sich inzwischen defintiv gebessert. Einerseits hat sich die Eigenschaft des Brettes geändert (aufbauende Umwandlungsprozesse), andererseits hat sich auch die Konstellation der Schwachschichten gebessert (Krusten wurden zum Teil völlig aufgefressen; in Bodennähe findet man ein diffuses, zum Teil verkrustetes Schwimmschnee-Schmelzformen-kantige Kristallen-Gemisch, das nicht mehr so leicht auf Störung anspricht.)
Gute Schneeauflage vermindert natürlich auch die Störung möglicher Schwachschichten: Dennoch: Letztes Wochenende hätte ich mich Vieles noch nicht getraut...
Gestern waren wir u.a. auch deshalb auf der Wankspitze, wo wir schattseitig gegraben haben. Besserung wie oben beschrieben und auch im LLB seit Dienstag für eure Region so angepasst.

beste Grüße
Patrick Nairz
  • hilfreich

 





aktuell online
Bilder • 36.780
Themen •   5.538
Beiträge • 50.415


IMPRESSUM
DATENSCHUTZ
FAQ

(V.14.15) © alpic.net und Autoren 2001 - 2020 nach oben



SimplePortal 2.3.6 © 2008-2014, SimplePortal