Moin allerseits,
nachdem ich ja schon ein paar Kurzanmerkungen losgelassen hatte kommt nach überstandener Heimfahrt und erster Arbeitswoche jetzt wie versprochen der Bericht zur Tour auf die Grießtalerspitze.
Los ging es am Edelweißhaus in Kaisers, wo sich ausreichende Parkmöglichkeiten finden. Man steigt zunächst über Wiesen und dann ziemlich bald durch krautigen Wald, am Ende durch Lawinenverbauungen steil auf dem Weg zum Falmedonjöchl an. Aufgrund der vorherigen starken Regenfälle war das sogar im Aufstieg ziemlich rutschig. Nach einiger Zeit erreicht man dann kurz unterhalb der Wiesen der Mute freies und aussichtsreiches Gelände, in dem man erstmals die Umrahmung des Kaisertals zu Gesicht bekommt.
Der Weg wird nun flacher und passiert erst die Abzweigung Richtung Wilder Kaiser (was einen kurzen und einfachen Rundweg ergäbe) und knappe 100 Höhenmeter weiter die Gabelung, an welcher der Weg zum Hahnleskopf abzweigt. Man folgt von hier dem weitgehend flachen Weg zum Hahnleskopf, der zunächst in den Hängen, danach auf breitem Rücken zum fast gar nicht ausgeprägten Gipfel (eher eine Schulter führt). An der Stelle, wo man den Rücken erreicht, ist ein kurzer Blick nach rechts angebracht: Man sieht hier erstmals das Obergrießtal mit dem späteren Ziel und auch deutliche, in den Talboden herabführende Trittspuren, die fast ausschließlich von den anwesenden Rindviechern verursacht sein dürften, aber auch für Zweibeiner eine gute Abstiegsmöglichkeit bieten.
Auf dem Hahnleskopf hat man dann trotz der eher geringen Höhe von 2210m schon eine sehr schöne Aussicht, eine ausgesprochen Empfehlung für eine Familienwanderung ist allemal drin, zumal die geräumige und fast flache Wiesenfläche zu einer ausgiebigen Rast einlädt. Will man weiter zur Grießtalerspitze, tut man allerdings gut daran, nicht ewig zu pausieren und dabei den Aufstieg zu sondieren. Vom Hahnleskopf kann man bereits die auffallend spitze Erhebung im Südgrat erkennen, die eine wichtige Orientierung für den Aufstieg liefert. Direkt links von ihr endet nämlich die Rinne, auf der man (spätestens) erstmals den Grat erreichen sollte. Mit der Vergewisserung, das im Talboden selber ein weitgehend beliebiger, am besten mit nicht allzu viel auf und ab verbundener Weg möglich ist, kann man dann den Gipfelsturm in Angriff nehmen.
Also ging es ein paar Meter zurück und dann über den erwähnten Kuhpfad etwa 60m hinab in den Talboden. Wir haben uns entschieden, direkt den Bach zu queren und über Wiesenhügel dem Tal folgend nach und nach zu den Schutthalden unterhalb der Grießtalerspitze zu gelangen. Das ist auch völlig problemlos, man muss allenfalls auf herumliegende Kühe und ihre Hinterlassenschaften achten. Sobald man die Schuttfelder erreicht, sieht man sofort, das sich rechts der spitzen Graterhebung Graspolster (die sich manchmal auch als Disteln entpuppen...) bis zum Grat erstrecken. Wir sind über diese stetig steiler werdend und nicht immer mit wirklich tollen Tritten erst einmal bis zum Grat aufgestiegen, nachdem wir uns sicherheitshalber schon einmal behelmt hatten.
Von dort ging es dann bis auf die spitze Graterhebung (I), da wir uns mal anschauen wollten, ob wir direkt hinunter kommen und die Rinne vermeiden können. Nach kurzer Beobachtung sah mir das mindestens nach einer III aus, und das war Marion und mir deutlich zu gewagt. Also ein paar Meter zurück und eine in die nördlich der Graterhebung verlaufende Rinne mündende kleinere Rinne hinab und direkt unter den Felsen querend zur zweiten Rinne hinüber. Diese erreicht man auch weiter unterhalb direkt über Gras querend, angesichts des ekelhaft brüchigen und ständig in Bewegung befindlichen Gerölls dürfte man aber über jeden Zentimeter, den man sich ersparen kann, froh sein. Nach einigem Kampf und mehreren ausgebrochenen Tritten und Griffen waren wir dann aber doch nördlich der Erhebung am Grat angekommen, wo einen ein Steinmann empfängt.
Weiter leiten einen den Steinmänner zunächst über eine kurze, westseitige Querung in eine weitere Rinne, die mit größeren Blöcken gefüllt ist und sich zumindest im Aufstieg deutlich besser gehen lässt. Ein direkter Aufstieg von den unten liegen Schutthalden dürfte durch einen Abbruch schwierig sein. Am Ende der Rinne steht man wieder auf dem ab hier wenig ausgeprägten Grat, über den man direkt aufsteigend und in recht beliebiger Routenführung in einfacher Kraxelei (ab und an I) den Gipfel mit überraschend großem Kreuz erreicht, von dem man v.a. nach Norden und Westen eine ausgezeichnete und fast unbehinderte Aussicht hat. Im Süden und Südosten versperren natürlich die hohen Gipfel der Lechtaler und des Verwalls die ganz weite Aussicht teilweise, wenn man diesen Anblick versperren nennen will. Durch die Scharten in den Gebirgszügen ergeben sich aber auch überraschend weite Ausblicke, von den Stubaier über die Ortler- bis zu den Albulaalpen, bis zum immerhin knapp 100km entfernten Piz Ela.
Nach ausgiebiger Rast und Genuss der Aussicht sowie einen Studium des Gipfelbuchs, das kaum einmal mehr als zwei Einträge pro Monat verzeichnet, ging es mit kleineren Variationen auf der Aufstiegsroute zurück. Zum einen lässt sich die im Aufstieg so unangenehme Rinne anfangs überraschend gut abfahren, so dass wir erst relativ spät wieder aufs Gras gequert sind. Zum anderen haben wir uns den schmierigen Direktabstieg von der Mute gespart, und stattdessen den weniger 30 Min. längeren, aber im Abstieg angenehmeren Weg über den Wilden Kaiser genommen. Zum Abschluss gab es dann auf der schönen Terrasse des Edelweißhauses noch einen leckeren Kaiserschmarren.
Wie immer kommen im folgenden noch ein paar Bilder, die letzten sind schon aus dem anderen Thread bekannt und zeigen eine Skizze der Aufstiegsroute. Wer einen (bezeichneten) Rundblick möchte, sei auch nochmal auf das
Panorama in Originalgröße (Vorsicht, mehr als 60MB) mit ausführlicher und hoffentlicher korrekter Beschriftung
auf alpen-panoramen.de verwiesen.
Viele Grüße aus Braunschweig,
Ecki (der jetzt auch mal ins Bett sollte...)

"Vulkanismus" am Schwarzen Kranz.

Blick vom Hahnleskopf ins Almajurtal (Weitwinkelobjektive sind was feines

).

Blick vom Hahnleskopf auf die Allgäuer Alpen zwischen Widderstein und Krottenkopf.

Morgendlicher Blick vom Hahnleskopf in das von Grießtaler- und Rotschrofenspitze eingerahmte Obergrießtal (der Aufstieg im Tal verläuft von rechts unten zur Mitte, dann so wie weiter unten eingezeichnet).

Marion auf den letzten Metern unter dem Gipfel.

Vorderseespitze und Hoher Riffler, links daneben ganz klein Hoher Angelus und Äußere Pederspitze in den Ortleralpen, rechts unter anderem Muttler, Vesulspitze und Stammerspitz in der Samnaun-Gruppe.

Hoher Riffler und Blankahorn mit dem markanten Flirscher Ferner im Zoom.

Stanskogel und Vallesinspitze. Im Hintergrund unter anderem Fluchthorn, Saumspitze, die massige Kuchenspitze (direkt über dem Stanskogel), weiter u.a. Großlitzner, Pischahorn und ganz weit entfernt im Dunst der Piz Ela, ganz rechts die Weißschrofenspitze.

Lechtaler Prominenz: Wetter- und Feuerspitze.

Weitwinkelblick über die Rotschrofenspitze nach Süden...

...und nach Südosten...

sowie über das Wildtal nach Norden...

und den Hahnleskopf nach Westen.

Die durchaus beeindruckende Wetterspitz-Nordwand.

Die Vorderseespitze.

Pflunspitze und Kaltenberg im Verwall.

Dri Türm und Drusenfluh (Rätikon), davor die Grubenjochspitze oberhalb des Flexenpasses.

Immer wieder beeindruckend: Die Freispitze. Links im Hintergrund u.a. Ruderhofspitze und Schrankogel in den Stubaiern.

Kühe im Obergrießtal (mit schöner Aussicht, die sie nicht gebührend würdigen

).

Ein letzter Blick ins Obergrießtal.
Hier noch einmal die beiden Aufstiegsskizzen (danke noch einmal an Josch für das zweite Bild):

