B179 - Wochenendstau  (gelesen 13914 mal)

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Offline Schorsch_KFB

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Re: B179 - Wochenendstau
« Antwort #50 am: 25. Sep 2016 - 08:01 Uhr »
Kreisverkehr wäre da eine Lösung
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Offline Andi

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Re: B179 - Wochenendstau
« Antwort #51 am: 25. Sep 2016 - 21:28 Uhr »
Heute hatte auch das "Vergnügen" - Stau und zähfließender Verkehr von Reutte Süd bis zum Grenztunnel.
Und ich bin zu einem beeindruckenden Ergebnis gekommen:
Das Problem ist gar nicht die B179, vielleicht auch nicht die Überlastung, sondern allein der Faktor "Mensch".

Beobachtung 1: Ellenbogengesellschaft
Schon bei Reutte Süd lässt man mich auf der Auffahrt trotz angemessener Beschleunigung absichtlich nicht einscheren. Im Gegenteil: Man gibt extra noch Gas, um mich zu schneiden und auszubremsen. Die Leuten haben schon völlig die Nerven verloren, weil sie seit Nassereith nur im Stau stehen. -> Faktor 1, der den Verkehrsfluss hemmt und natürlich auch zur Unfallhäufigkeit beiträgt.
Beobachtung 2: Bei Reutte Nord fahren viele Leute dann ab, um über Musau kurz vor dem Grenztunnel wieder auf die B179 zu fahren. Einige (viele) fahren auch nur bei der Abfahrt ab, um dann gleich wieder aufzufahren und machen so 8 - 12 Autos "gut". Ich stehe minutenlang still, das Reißverschlussverfahren klappt nicht. Ergebnis: Durch die erhöhte Anzahl an wiederauffahrenden Fahrzeugen wird der Verkehrsfluss zusätzlich gestört. Dadurch kommt es zu neuen Staubildungen, die gleich mal wieder in die Dimension von Kilometern kommen. -> Faktor 2, der den Verkehrsfluss erheblich hemmt.
Beobachtung 3: Stauquellen durch extreme "Schleicher"
Unter extremen Schleichern verstehe ich Leute, die mit weniger als 55 km/h durch den Grenztunnel fahren. Die Folge: Das nächste Fahrzeug kommt schneller von hinten und muss bremsen. Das Fahrzeug dahinter bremst noch stärker - es kommt zu einer Dichtewelle, ein Ziehharmonika-Effekt. Wenige Fahrzeuge später steht der Erste und es kommt zu einer Staubildung. Wenn bei mehr als 10000 Fahrzeugen täglich nur 0,5% extreme Schleicher dabei sind (also 50 Fahrer), dann trägt das erheblich zur Staubildung bei. -> Faktor 3, der den Verkehrsfluss deutlich hemmt.
Solche extremen Schleicher trifft man gerne am Grenztunnel (Ursache: subjektiver Angsteffekt?) oder z.B. am Katzenberg (Ursache: subjektiver Angsteffekt bei 23 km/h aus der Kurve zu fliegen?). Deswegen geht die Staubildung meist von solchen Punkten aus.
Beobachtung 4: Am Stau vorbeirasende Motorradfahrer und verkehrswidrige Manöver
Hinter mir ein Reisebus, der die Sicht versperrt. Vor mir will ein scharfer BMW wenden, ohne genau sehen zu können, was von hinten kommt. BMW wendet einfach, Motorfahrer kommt angeschossen, macht eine Vollbremsung im letzten Moment. Kommt gerade so zum Stehen - Muss man dazu noch was sagen?

Fazit 1: Wäre super interessant zu sehen, was passieren würde, wenn alle Autos von einem Computer gesteuert würde und alle würden gleich schnell fahren und sich sauber an selbstverständliche Prinzipien, wie z.B. das Reisverschlussverfahren halten. Ich wette, dass allein damit der durchschnittliche Zeitverlust durch Stau um mindestens 80% reduziert würde.
Fazit 2: Es ist immer wieder erschreckend, zu was für einem egoistischen, kurzschichtigen Untier der Mensch in solchen Situationen werden kann. Manche führen sich auf, verlieren die Nerven - nehmen billigend tödliche Unfälle in Kauf, nur um 1 Auto weiter vorn zu sein. Straßenverkehr ist Krieg - und im Krieg gibt es eben Tote. Das muss man jedes Mal schonungslos so akzeptieren wie es ist, wenn man den Zündschlüssel rumdreht.

Offline Kristian

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Re: B179 - Wochenendstau
« Antwort #52 am: 27. Sep 2016 - 17:33 Uhr »
Die Republik Österreich hat wie die anderen Alpenstaaten auch die Alpenkonvention als völkerrechtlich verbindlichen Vertrag unterschrieben.
Zitat
Die Bundesrepublik Deutschland,

die Französische Republik,

die Italienische Republik,

das Fürstentum Liechtenstein,

das Fürstentum Monaco,

die Republik Österreich,

die Schweizerische Eidgenossenschaft,

die Republik Slowenien,

sowie

die Europäische Gemeinschaft -

 

in Erfüllung ihres Auftrags auf Grund des Übereinkommens vom 7. November 1991 zum Schutz der Alpen (Alpenkonvention) *1), eine ganzheitliche Politik zum Schutz und zur nachhaltigen Entwicklung des Alpenraums sicherzustellen;

https://www.bmlfuw.gv.at/umwelt/eu-international/umweltpolitik_internat/alpenkonvention/alpenkonvention_erkl.html
https://www.ris.bka.gv.at/GeltendeFassung.wxe?Abfrage=Bundesnormen&Gesetzesnummer=20002265


Darin heißt es in Artikel 11

Zitat
(1) Die Vertragsparteien verzichten auf den Bau neuer hochrangiger Straßen für den alpenquerenden Verkehr.

Das heißt nach Wortlaut des Vertrages darf  hier gar keine neue, hochrangige Straße gebaut werden. Ganz gleich, wer sich auf Stimmenfang gerade dafür einsetzt. 

Zentraltirol investiert kräftig in die touristische Infrastruktur mit allen Vor- und Nachteilen. Das heißt, der Verkehr wird nicht weniger und jeder der im Stau steht und darüber jammert muss sich im Klaren sein, dass auch er ein Teil dieses Stau´s ist.

In gewisser Weise hat man sich mit der gut gemeinten Alpenkonvention Fußfesseln angelegt, die man nun schwer oder gar nicht mehr losbringt, wenn ein gut gemeintes Vorhaben von der Realität eingeholt wird.

In Deutschland heißt die nationale Umsetzung der Alpenkonvention "Alpenplan". Wie man versucht mit wirtschaftlichen Notwendigkeiten, Tauschflächen usw. diese Fußfesseln abzustreifen, die man sich selbst angelegt hat, machen gerade ein paar CSU-affine Bluthochdruckgesichter im westlichen Oberallgäu vor. (Stichwort Alpenplan, Zone C, Riedberger Horn)


Ähnlich gelagert das Thema Flüchtlinge: Lt Verfassung gibt es keine Obergrenze. Was ist aber, wenn wir das nicht schaffen, weil die Zahl schlichtweg zu hoch  ist, oder zu hoch empfunden wird?

Sollte also jemals eine landschaftsverträgliche, leistungsstarke Fernpassstraße gebaut werden, so ist dies nur im Rahmen eines Vertrages mit den Vertragspartnern der Alpenkonvention, vor allem der EU möglich. Der Alpentransit ist ein europäisches Problem und kann nur europäisch gelöst werden. Das gilt natürlich auch für die Finanzierung.

Es wäre also ratsam, dieses Projekt bald anzugehen, Fördermittel aus EU-Quellen zu beantragen usw, so lange es die EU noch gibt.

Tirol wird allerdings "schwarz-grün" regiert. Die Regierungspartner trennen beim Thema Verkehr ideologische Welten. Wenn beide Partner am Machterhalt interessiert sind, werden sie dieses Thema tunlichst vermeiden.

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Offline Frank72

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Re: B179 - Wochenendstau
« Antwort #53 am: 28. Sep 2016 - 10:54 Uhr »
> Das heißt nach Wortlaut des Vertrages darf  hier gar keine neue, hochrangige Straße gebaut werden.

Ein Ausbau einer vorhandenen Strasse ist ja keine neue. Und selbst wenn man einen ganz neuen Streckenverlauf bauen wuerde, waere das nur ein Ersatz fuer eine vorhandene Strasse, bei der halt jetzt nur der Routenverlauf total, aeh, ein bisschen anders ist, aber eigentlich ist es immer noch dieselbe Strasse, und dass man die alte nicht dafuer absperrt, liegt nur daran, dass da noch Leute dran wohnen, die ja zu ihrem Haus kommen muessen usw. usw. Wetten, dass man damit durchkaeme?
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Offline Max

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Re: B179 - Wochenendstau
« Antwort #54 am: 28. Sep 2016 - 12:54 Uhr »
Interessante Diskussion!
Ich finde die Ansätze von Andi sehr gut und deutlich auf den Punkt gebracht. Sie decken sich mit meinen Erfahrungen, dass man bei angepasster Fahrweise vieles vermeiden könnte.
Zum Thema Änderung der Trasse/Tunnelbau hatte ich ähnliche Gedanken wie Kristian, glaube aber, dass es hier immer juristische Wege geben wird. Es scheitert wohl eher am politischen Willen. Es bleibt wirklich zu hoffen, dass hier Lösungen gefunden werden, ist einfach eine Zumutung für die Einheimischen in dem Gebiet.

Viele Grüße, Max
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Offline Andi

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Re: B179 - Wochenendstau
« Antwort #55 am: 28. Sep 2016 - 20:43 Uhr »
Wahrscheinlich hatte ich nur teilweise recht. Ich habe mir eben überlegt, was das die physikalische Belastungsgrenze der Straße ist.
Nehmen wir mal an, wir hätten einen fließenden Verkehr. In der Fahrschule lernt man, dass man mindestens einen 2-Sekunden Abstand halten sollte. Damit Reißverschlussverfahren, Auf- und Abfahrten reibungslos funktionieren und "Ziehharmonika-Effekte" und Dichtewellen (sehr häufig auf der B179, bedingt durch die Morphologie der Straße) problemlos verkraftet werden, müsste theoretisch nach fast jedem Fahrzeug ein Platzhalter sein. Also alle 4 Sekunden ein Fahrzeug. Das wären dann also maximal 15 Fahrzeuge pro Minute. Auf 2 Fahrstreifen also 30. Das wären dann 1800 Fahrzeuge pro Stunde oder 18000 Fahrzeuge in 10 Stunden oder 28800 Fahrzeug zwischen 6:00 Uhr und 22:00 Uhr. Die Rechung ist super optimistisch - das wäre der Idealfall, wenn alles perfekt liefe und keine LKW im Spiel sind.
Tatsächlich passieren am Tag durchschnittlich 13500 Fahrzeuge laut Statistik die Straße. An Top-Reisetagen 28000 mit stark steigender Tendenz. Also ist die Straße in den Stoßzeiten tatsächlich schon recht nahe am absoluten physikalischen Limit ausgelastet - unabhängig davon wie die Autofahrer sich verhalten.
Wenn sich die Statistik wie in Kalles Plot dargestellt fortsetzt, dann wird es wohl immer häufiger "Infarkt-Tage" geben, an denen mit vielen Stunden Verzögerung zu rechnen sein wird.
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Offline Lampi

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Re: B179 - Wochenendstau
« Antwort #56 am: 28. Sep 2016 - 21:40 Uhr »
Damit Reißverschlussverfahren, Auf- und Abfahrten reibungslos funktionieren und "Ziehharmonika-Effekte" und Dichtewellen (sehr häufig auf der B179, bedingt durch die Morphologie der Straße) problemlos verkraftet werden, müsste theoretisch nach fast jedem Fahrzeug ein Platzhalter sein. Also alle 4 Sekunden ein Fahrzeug.
Also brauchen wir verbesserte Auffahrten, Kreuzungsverbote und Engpassbeseitigung (z.B. die Spitzkehre an der Fernpass- Südrampe)
Wir haben auch so einen Tunnel im Gegenverkehr. Bis 35000 Fahrzeuge pro Tag geht alles reibungslos.
Ich habe den Verdacht, dass relativ preisgünstige wirksame Maßnahmen (z.B. Scheiteltunnel) nur deshalb unterbleiben, dass der Leidensdruck groß genug wird, damit dann irgend wann die große Maßnahme gefordert wird.
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Offline i mori

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Re: B179 - Wochenendstau
« Antwort #57 am: 02. Okt 2016 - 22:42 Uhr »
Mehr oder bessere Strassen implizieren m.E. immer auch mehr Verkehr, so dass die Maßnahmen relativ schnell wieder hinfällig sind.
Zum Alpenplan...der wird halt so hingedreht wie man's braucht(im Europäischen Interesse). Siehe Balderschwang wo sich an sich die Diskussion schon verbietet. Da hilft schon gar keine grüne Mitregentschaft_siehe BaWü.
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Offline Kristian

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Re: B179 - Wochenendstau
« Antwort #58 am: 27. Okt 2016 - 17:22 Uhr »
Aus der Tiroler Zeitung:
http://www.tt.com/panorama/verkehr/12180714-91/fernpass-land-wirbt-an-staustrecke-mit-anreise-per-bahn.csp

Zitat
Alle paar Kilometer sind entlang der staugeplagten Fernpass-Strecke in den vergangenen Tagen Plakatwände aus dem Boden gewachsen: „In einem Zug nach Tirol“ steht da, oder „Bahn frei“.

Das Thema einer autofreien Anreise nach Tirol beschäftigt Politik, Wirtschaft, Tirol Werbung und Bahngesellschaften schon länger. Nun wurde das Projekt „Tirol auf Schiene“ auch in die Maßnahmen am Fernpass eingewoben. „Diese Werbemaßnahmen“, heißt es dazu aus dem Büro von LHStv. Ingrid Felipe, „sind tatsächlich Teil der Fernpass-Strategie.“


Der Witz ist gut ???:-)

 Pro Strecke 3 Std! Mehraufwand und dann steht man unten am Inn und latscht zu Fuß noch eine Std. um an den Ausgangspunkt für z.B die Platteinspitze, den Rauchberg, die Heiterwand zu gelangen. In den 2x3 =6 Std kann man die eine oder andere Tour machen. Mit der Bahnanreise kommt man abens gar nicht mehr zurück und das bei einer Distanz von unter 100 km.  Bei der  zuletzt vorgeschlagen Verbindung wäre man mit dem Fahrrad schneller.

Nehmen wir ein anderes Beispiel der breiten Masse, für das auch fleissig geworben wird: Einen Skitag im Oktober am Pitztaler Gletscher. Anfahrt- Skifahren-Abreise an einem Tag vom Allgäu aus  nicht möglich, bei einer Strecke, die je nach Wohnort um die 100 km. beträgt.

Soviel zu realistischen Lösungen. Die Realität ist, dass man sich in den nächsten Jahren damit arangieren muss. Die Ausweichstrecken, sofern vorhanden, sind in der Region ja bekannt. Im letzten Winter war das Hahntenjoch bis Mitte Jan. befahrbar. Für eine vorübergehende Entlastung der Fernpassroute wäre eine kurzer Scheiteltunnel am Hahntenjoch tauglich und schneller zu realisieren als  Gartnerwand- und Tschirganttunnel, die an Wochenenden auch nichts bringen würden

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Offline kalle

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Re: B179 - Wochenendstau
« Antwort #59 am: 27. Okt 2016 - 18:42 Uhr »
Pro Strecke 3 Std! Mehraufwand und dann steht man unten am Inn und latscht zu Fuß noch eine Std. um an den Ausgangspunkt für z.B die Platteinspitze, den Rauchberg, die Heiterwand zu gelangen. In den 2x3 =6 Std kann man die eine oder andere Tour machen. Mit der Bahnanreise kommt man abens gar nicht mehr zurück und das bei einer Distanz von unter 100 km.  Bei der  zuletzt vorgeschlagen Verbindung wäre man mit dem Fahrrad schneller.

Dabei ist der Stress bei den gefühlten 50x Umsteigen noch gar nicht mit einbezogen...  :ohmann:
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Tags: b179 | fernpassstraße | fernpass | tunnel | stau | straßenausbau | autobahn | 
 





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