Bergsport und Corona?

Zurück zur Einfachheit?  (gelesen 1974 mal)

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Offline kalle

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Zurück zur Einfachheit?
« am: 01. Mai 2016 - 18:03 Uhr »
Zitat
Alpine Gefahren – wie beispielsweise Hang- oder Felsinstabilitäten – in Folge der ansteigenden Temperaturen im Alpenraum nehmen in Zukunft rapide zu. Gleichzeitig leistet ein Großteil der Bergsportler selbst mit ihrem Verhalten einen erheblichen Beitrag zum Klimawandel. An- und Abreise bei Bergsportaktivitäten finden meist mit dem eigenen Pkw statt und sind folglich mit einer entsprechend großen Emission von Treibhausgasen verbunden
Quelle: alpenverein.de


Verkehr und Abgase auf dem Weg von und zum Berg
Etwas mehr als drei Viertel allen CO²-Ausstoßes ist in den Industrieländern auf den PKW zurück zu führen. Gerade auch im privaten, CO²-verursachenden Verhalten stellt die Mobilität mit annähernd 25% den größten Brocken dar. Um diesen Missstand entschärfen zu können, wird stets der Öffentliche Verkehr in den Vordergrund gerückt.

Gerade die Öffis stellen in unserer Region aber nur teilweise eine Alternative für den Bergsportler dar. Zu lückenhaft bzw. unzureichend sind häufig die Anbindungen in die jeweiligen Täler und Regionen. Oder aber die zeitliche Abhängigkeit von Bus und Bahn schrecken viele davon ab diese zu benutzen.

Meist wird diese Argumentation von aktiven Verfechtern der Umweltangelegenheit aber lediglich als Ausflucht gesehen, sozusagen als eigene Gewissensberuhigung der "Anpassungsunwilligen".

Welchen Standpunkt vertrittst du in dieser Sache? Hast du vielleicht Tipps für die CO²-freundliche alpine Betätigung bzw. die als dem Bergsport als Zubringer dienende Mobilität?
« Letzte Änderung: 01. Mai 2016 - 18:21 Uhr von kalle »
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Offline Lampi

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Re: Zurück zur Einfachheit?
« Antwort #1 am: 01. Mai 2016 - 23:06 Uhr »
Am meisten wäre gewonnen, wenn das Mitfahren verbreiteter wird.
Wir waren mal zu acht mit 5 Autos in den Dolomiten. Der eine wollte einen Tag später kommen, einer einen Tag später gehen, einer seinen Sharan schon zu Hause zum Schlafen ausrüsten, einer zu faul, sein Zeug umzuräumen.
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Offline DonaldDuck

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Re: Zurück zur Einfachheit?
« Antwort #2 am: 01. Mai 2016 - 23:33 Uhr »
Als ich gestern nachgesehen habe da haben in der ganzen Stadt die Schornsteine gequalmt und die Bundesstraße und die Autobahn war voll.

Vorgestern auch. Ich fahr morgen auch 500 km. Heute waren es nur 80. Vorher bade ich noch, das mache ich sehr gerne.

Solche Beiträge wie oben usw. kosten Elektrizität und erwärmen ihrerseits das Klima.

Moralisieren, Wunschdenken und Krokodilstränen, Realitätsleugnung und Selbstbetrug, was gewohnheitsmäßig mal wieder in den Medien umgerührt wird ist im Hinblick auf das Klima völlig bedeutungslos. Es handelt sich um soziale oder mediale Funktionen mit soviel Bedeutung auf das tagtägliche Verhalten der Menschheit, wie wenn in China ein Sack Reis umfällt.

Ich fahr derweil lieber nächstes Wochende an den Gardasee.
« Letzte Änderung: 01. Mai 2016 - 23:36 Uhr von DonaldDuck »
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Offline Frank72

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Re: Zurück zur Einfachheit?
« Antwort #3 am: 02. Mai 2016 - 22:55 Uhr »
Soviel Entengeschnatter in so wenig Zeilen...  :ohmann:

Sowohl alleine als auch mit Familie fahre ich zu jeder Wanderung mit dem Auto. Meine Begruendung mit den Kindern ist schlicht: Bequemlichkeit. Meist starten wir da, wo eh kein Bus mehr hinfaehrt, aber selbst dort, wo wir mit Oeffis hingekommen waeren (Spitzingsattel z.B.) dauert es vom Sueden Muenchens aus mindestens die doppelte Zeit wie mit dem Auto. Und gerade abends waere uns a) der Druck zu hoch, den letzten Bus noch erreichen zu muessen (wir sind ja oft auf unbekannten Pfaden mit ungewissem Ausgang unterwegs) und b) auch das Gequengel der mueden Kinder zu gross gewesen. Totmuede und verdreckt ins Auto packen => super. So auf den Bus warten, dann am Bahnhof umsteigen, in Muenchen nochmal in die U-Bahn, nee, das waer uns zu stressig gewesen. Meist wollten wir ja auch noch in einem Gasthof in der Naehe des Wanderziels zu Abend essen, und danach dann noch in den Zug...

Bei meinen allein-unterwegs-Erkundungstouren geht's so, wie ich die im  Moment organisiere, auch nur mit Auto. Selbst, wenn ich quasi direkt an der Bushaltestelle loswandere, z.B. am Herzogstand oder in Vorderriss bei all den vielen Speibenkaes-Touren. Aber da bin ich immer vor 6 Uhr aus dem Auto gestiegen und nie vor 20 Uhr wieder da gewesen. Ich denk mir zwar jedesmal "Heut wird's nicht so lang...", aber dann versteig ich mich doch wieder oder probier die eine Spur da doch auch noch aus, wo die hinfuehrt...

Liesse sich bestimmt alles anders organisieren, dann muesste ich halt zweimal auf dieselbe Tour und jeweils nur die Haelfte erkunden und dafuer spaeter los und frueher zurueck. Aber dafuer bin ich tatsaechlich zu bequem, das ist mir zu umstaendlich, und ich will da tatsaechlich auch die Freiheit haben, mit Sonnenaufgang loszustiefeln und erst nach 14 Stunden wieder zurueckzukehren. Also fahr ich weiterhin mit dem Auto und hab auch tatsaechlich kein besonders schlechtes Gewissen. Beruhige es im Zweifel damit, dass ich jeden Tag mit Fahrrad und U-Bahn zur Arbeit fahre...

Leute wie Manfred Bromba, die ihre Dutzende Touren pro Jahr ganz ohne Auto organisiert bekommen, finde ich trotzdem bewundernswert. Und zwar nicht nur wegen des Umweltschutz, sondern vor allem wegen der Anwohner in den Bergen, bei denen sie nicht wie ich morgens um 5 schon auf der Landstrasse vorbeifahren oder in Oberau im Stau ins Wohnzimmer gucken  :-\

"Zurueck zur Einfachheit" findet bei mir nur insofern statt, als ich mit Verlassen des Parkplatz saemtliche gut ausgebaute Infrastruktur wie Seilbahnen, breite Wege und  jegliche Einkehrmoeglichkeiten moeglichst vollstaendig vermeide. Davon hab allerdings vor allem ich etwas, naemlich Ruhe und Erholung, der Natur nuetzt das nicht unbedingt. So gesehen eine egoistische Rueckkehr zur Einfachheit, die sich nur durch vorherige Un-Einfachheit von Autofahren erreichen laesst... Gewinn ich keinen Umweltpreis mit  :down:
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Offline Lampi

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Re: Zurück zur Einfachheit?
« Antwort #4 am: 03. Mai 2016 - 08:47 Uhr »
Liesse sich bestimmt alles anders organisieren, dann muesste ich halt zweimal auf dieselbe Tour und jeweils nur die Haelfte erkunden und dafuer spaeter los und frueher zurueck. Aber dafuer bin ich tatsaechlich zu bequem, das ist mir zu umstaendlich, und ich will da tatsaechlich auch die Freiheit haben, mit Sonnenaufgang loszustiefeln und erst nach 14 Stunden wieder zurueckzukehren. Also fahr ich weiterhin mit dem Auto und hab auch tatsaechlich kein besonders schlechtes Gewissen. Beruhige es im Zweifel damit, dass ich jeden Tag mit Fahrrad und U-Bahn zur Arbeit fahre...
Nein, das lässt sich nicht mit öffentlichen Verkehrsmitteln organisieren.
Und außer der Schweiz hat es kein Land so dicke, quasi rund um die Uhr sozusagen "auf Verdacht" einen Bus in den hinterletzten Winkel des Landes fahren zu lassen. Wobei ein mit 4 Personen besetzter Bus auch kein ökologischer Gewinn ist.
Aber drei Mitfahrer oder ein Platz in einem anderen Auto lassen sich immer organisieren. Und ob da ein oder vier Autos fahren, macht schon einen Unterschied. Nach dem Atomausstieg etwa den gleichen, wie die Anreise mit Auto oder Zug.
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Offline frstgr

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Re: Zurück zur Einfachheit?
« Antwort #5 am: 07. Mai 2016 - 18:05 Uhr »
Lange nichts mehr geschrieben, aber das hier ist mein Thema:

Es geht nicht alles mit öffentlichen Verkehrsmitteln - Aber es geht so einiges!

Vor allem bei mehrtägigen Touren wie zum Beispiel Durchquerungen gibt es für mich keine Frage: Anreise mit den Öffis!
Mit ein bisschen Planung und Kreativität findet man gute Möglichkeiten, nur einige Beispiele:

In Bayern und im Außerfern bringt das Bayernticket (Zug und teilweise Bus) einen in die Voralpen oder an die Nordseiten:
  • Durchquerung Lechtaler Alpen (Start in Bichlbach und zurück nach Reutte mit dem Lechtalbus)
  • Benediktenwand- Brauneck (Bahnhöfe Benediktbeuren und Lenggries
  • Von Lenggries an den Tegernsee
  • Wandern/Klettern in den Tannheimern (Bahnhöfe Reutte und Musau
  • Berge rund um den Spitzingsee

Auf die Alpensüdseite mit ICE und EC nach Brixen oder Bozen und dann mit dem Bus in die Berge:
  • Rosengarten
  • Geislergruppe
  • Latemar

Ja es ist nicht immer bequem, aber darum geht's doch auch zum Teil. Die Deutsche Bahn an sich steht schon für großes Abenteuer, hier haben wir schon fast alles erlebt:
  • Letzte Züge verpasst (okay, noch eine kleine Nachtwanderung bis um 5:00 Uhr der nächste Zug geht)
  • Evakuierung aus dem Zug wegen Oberleitungsschaden (Psychologische Fallstudie wie manche Menschen durchdrehen, wenn mal was nicht nach Plan läuft. Das Notfallmanagement der Bahn hat wirklich gut funktioniert, aber einige müssen die Menschen noch anpflaumen, die ihnen gerade helfen...)
  • Der Bus fährt trotz Winken an der Haltestelle vorbei bremst kurz an und fährt dann doch weiter ("Aaach, die werden schon zurecht kommen, bevor ich jetzt den Rückwärtsgang suche..."

Wir sind doch alle in unserer Freizeit unterwegs, um mal was anderes zu Erleben und den Alltag hinter uns zu lassen, das gibt's bei den Öffis auf jeden Fall gratis dazu  :-L)

Gerade diese Woche Donnerstag und Freitag haben wir wieder eine schöne Tour im Estergebirge gemacht:

Anreise nach Klais und Aufstieg zum Winterraum der Weilheimer Hütte (Besteigung Kareck) und am nächsten Tag auf den Krottenkopf und über die Esterbergalm nach Garmisch-Partenkirchen und wieder ab in Bayerns Norden. Tolles Wetter, relaxte Anreise, einwandfreie Co2-Bilanz  ;)

« Letzte Änderung: 07. Mai 2016 - 18:07 Uhr von frstgr »

Offline DonaldDuck

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Re: Zurück zur Einfachheit?
« Antwort #6 am: 18. Mai 2016 - 18:50 Uhr »
Soviel Entengeschnatter in so wenig Zeilen...  :ohmann:

Sowohl alleine als auch mit Familie fahre ich zu jeder Wanderung mit dem Auto. Meine Begruendung mit den Kindern ist schlicht: Bequemlichkeit. Meist starten wir da, wo eh kein Bus mehr hinfaehrt, aber selbst dort, wo wir mit Oeffis hingekommen waeren (Spitzingsattel z.B.) dauert es vom Sueden Muenchens aus mindestens die doppelte Zeit wie mit dem Auto. Und gerade abends waere uns a) der Druck zu hoch, den letzten Bus noch erreichen zu muessen (wir sind ja oft auf unbekannten Pfaden mit ungewissem Ausgang unterwegs) und b) auch das Gequengel der mueden Kinder zu gross gewesen. Totmuede und verdreckt ins Auto packen => super. So auf den Bus warten, dann am Bahnhof umsteigen, in Muenchen nochmal in die U-Bahn, nee, das waer uns zu stressig gewesen. Meist wollten wir ja auch noch in einem Gasthof in der Naehe des Wanderziels zu Abend essen, und danach dann noch in den Zug...

Bei meinen allein-unterwegs-Erkundungstouren geht's so, wie ich die im  Moment organisiere, auch nur mit Auto. Selbst, wenn ich quasi direkt an der Bushaltestelle loswandere, z.B. am Herzogstand oder in Vorderriss bei all den vielen Speibenkaes-Touren. Aber da bin ich immer vor 6 Uhr aus dem Auto gestiegen und nie vor 20 Uhr wieder da gewesen. Ich denk mir zwar jedesmal "Heut wird's nicht so lang...", aber dann versteig ich mich doch wieder oder probier die eine Spur da doch auch noch aus, wo die hinfuehrt...

Liesse sich bestimmt alles anders organisieren, dann muesste ich halt zweimal auf dieselbe Tour und jeweils nur die Haelfte erkunden und dafuer spaeter los und frueher zurueck. Aber dafuer bin ich tatsaechlich zu bequem, das ist mir zu umstaendlich, und ich will da tatsaechlich auch die Freiheit haben, mit Sonnenaufgang loszustiefeln und erst nach 14 Stunden wieder zurueckzukehren. Also fahr ich weiterhin mit dem Auto und hab auch tatsaechlich kein besonders schlechtes Gewissen. Beruhige es im Zweifel damit, dass ich jeden Tag mit Fahrrad und U-Bahn zur Arbeit fahre...

Leute wie Manfred Bromba, die ihre Dutzende Touren pro Jahr ganz ohne Auto organisiert bekommen, finde ich trotzdem bewundernswert. Und zwar nicht nur wegen des Umweltschutz, sondern vor allem wegen der Anwohner in den Bergen, bei denen sie nicht wie ich morgens um 5 schon auf der Landstrasse vorbeifahren oder in Oberau im Stau ins Wohnzimmer gucken  :-\

"Zurueck zur Einfachheit" findet bei mir nur insofern statt, als ich mit Verlassen des Parkplatz saemtliche gut ausgebaute Infrastruktur wie Seilbahnen, breite Wege und  jegliche Einkehrmoeglichkeiten moeglichst vollstaendig vermeide. Davon hab allerdings vor allem ich etwas, naemlich Ruhe und Erholung, der Natur nuetzt das nicht unbedingt. So gesehen eine egoistische Rueckkehr zur Einfachheit, die sich nur durch vorherige Un-Einfachheit von Autofahren erreichen laesst... Gewinn ich keinen Umweltpreis mit  :down:

Ein Paradebeispiel, dass beim Thema CO2 erstmal heiße Luft geredet, und pflichtschuldig vor der öffentlichen Meinung zerknirscht und betreten dreingeschauen wird.

Die Begründung ist ja auch (kaum schöngeredet) mehrfach genannt: Bequemlichkeit.

Was da das schlimmere Geschnatter ist stell ich in den Raum.
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Tags: co²-ausstoss | abgase | klimawandel | bergsport | pkw | 
 





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