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Gramais

Region: Lechtal


erste urkundliche Erwähnung: 1370 - Gremeise
Fläche: 32,43km²
Höhe: 1321m
Ortsteile: Dörfl, Gschwendt, Riefen


der kleine Ort Gramais inmitten der Felskulisse der Lechtaler Alpen

Namensherkunft


Der Ortsname leitet sich wohl vom rätoromanisch beeinflussten lateinischen Begriff graminosa (grasreich) ab. Möglicherweise liegt aber auch das Wort grumus in dem Namen verborgen, was übersetzt zur Mure und wahrscheinlich noch besser zu den Örtlichen Gegebenheiten passen würde.

Fund im Nahbereich der Parzinnspitze


Die Bedeutung der Jöcher als antiker Übergang beziehungsweise als vorgeschichtliche Verbindung für den Austausch von Waren und Kulturgütern wird durch eine aufgefundene rätische Votivfigur im Bereich der Parzinnspitze untermauert.

Besiedelung und Straßen


Das ursprünglich schon vor dem 13. Jahrhundert von Rätoromanen als Alm genutzte Gebiet wurde bald über die Jöcher vom Inn- und Gurgltal (Imst) aus durch bajuwarische Siedler als ganzjähriges Siedlungsgebiet erschlossen. Allerdings mussten die Toten des Ortes bis ins Jahr 1650 in Imst beerdigt werden. Dazu wurden die Leichname über zwei Jöcher (Sattele und Hahntennen) und schwierige alpine Steige zur Mutterpfarre getragen. Im Winter war der Weg meist nicht passierbar, also galt es die verstorbenen in der Zwischenzeit im Schnee "zwischenzulagern" und zu kühlen.


einst wurden die Toten hier über Sattele aus dem Gramaiser Tal über das Bschlaber Tal und über den Hahntennen nach Imst gebracht
Gramais wird erst 1993 mit einer breiten, festen Straße dem Verkehr aus dem Lechtal zugänglich gemacht. Noch bis zum Jahr 1938 gehörte Gramais politisch zum Bezirk Imst. Zwei Jahre später wird Gramais auch kirchlich abgespalten und gelangt von Imst an das Dekanat Breitenwang.

Kaspar Gramaiser


Der aus der kleinen Gemeinde stammende Kaspar Gramaiser, genannt der Lechtaler, war ab 1497 "Obrister Pirgmeister" im Dienste von Kaiser Maximilian I. Die Auswertung historischer Berichte lässt ihn gar als engen Vertrauten des Kaisers in Erscheinung treten.
1514 stürzte er während einer Gamsjagd in den Hohen Tauern tödlich ab. Sein Dienstherr, Vertrauter und wohl auch Freund Kaiser Maximilian I. ließ ihm in Rottenmann (Steiermark) ein opulentes Grabmahl errichten.

der letzte Bär


Der letzte Außerferner Bär (einmal von der Durchreise von JJ1 alias Bruno abgesehen) wurde 1859 von einem Gramaiser erlegt.

Unglücksfälle


Die Kraft und Unberechenbarkeit einer Mure haben im Jahr 1953 vier wohl eher unerfahrene Bergsteiger unterschätzt. Gerade als sich die Wasser- und Schlammmasse näherte, versuchte die Gruppe noch über den ansonsten nur wenig Wasser führenden Bach zu gelangen. Dem ersten der Gruppe war dies zwar gelungen, die drei folgenden Frauen hatten dabei aber kein Glück. Sie wurden von der Mure mitgerissen und dabei getötet.

kleinste Gemeinde Österreichs


Heute ist Gramais mit 46 Einwohnern (Stand 1. Jan. 2015) die kleinste eigenständige Gemeinde Österreichs.


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