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Grän


Region: Tannheimer Tal


erste urkundliche Erwähnung: 1459
Fläche: 20,91km²
Höhe: 1138m
Ortsteile: Haldensee, Neu-Grän, Lumberg, Log, Enge



Grän - um 1960

Alpgebiet


Wahrscheinlich handelt es sich bei Grän um jenen Ort, in welchem ursprünglich die erste Alpe des Tales errichtet wurde. Der bei den Einheimischen wohl kaum noch bzw. nur recht betagten Personen bekannte Flurname "uf dr Siglé" deutet auf jene Stelle hin, an welcher einst die erste Sennhütte gestanden haben mag.

Nachdem also das vormalige Alpgebiet bald selbst als Dauersiedlungsraum genutzt wurde, ging man daran Weidegründe in den Bergwäldern zu schaffen. Lichtungen wurden erweitert, Waldflächen großzügig gerodet und mögliche Standorte für Hütten ausgeholzt und in Folge bebaut. Schon 1459 wird in Urkunden vom Gräner Älpele und der Gessenwangalpe berichtet.

Kirchengeschichte


Schon 1459 wird erstmals eine St. Wendelinskapelle genannt, für die Kapelle ist ein Neubau in den Jahren 1617 bis 1622 überliefert. Die Einweihung fand am 10. August 1641 statt. 1793 wird diese zur Kirche ausgebaut.

An der Empore findet sich ein Gemälde (siehe unten ▼) eines Bittganges von 1669, bei welchem zur Abwendung einer von Ungarn eingeschleppten Rinderpest eine lebende Kuh geopfert wurde. Bald darauf taten es ihnen alle Gemeinden des Tannheimer Tales gleich.
Die Gräner Kapelle bleibt aber im 17. und 18. Jahrhundert gern und oft besuchter Wallfahrtsort für die Anliegen an den Viehpatron.


Ein Seelsorger in Grän gilt als äußerst originelle Persönlichkeit - Johann Rief. 1754 in Rauth bei Nesselwängle geboren, war man bald zu der Überzeugung gelangt, den Jungen Johann dem Studium der Theologie zuzuführen. Seine Leistungen übertrafen alle Erwartungen und man hatte insgeheim schon große Pläne für ihn zurechtgelegt. 1784 wurde er zum Vikar der gerade neu entstandenen Seelsorge Grän ernannt.

Dieser eine, kleine Schritt auf der "Karriere-Leiter" wollte dem Johann aber schon genügen. Er lebte zufrieden in dem neuerbauten Widum, welches auf einer kleinen Anhöhe unweit der Kirche errichtet wurde. So nannten ihn bald alle nur noch den "Herrn Hans vom Bichl".

Seinen Dienst versah er geflissentlich, aber sobald sich auch nur die kleinste Möglichkeit bot, machte er sich auf in die umliegende Bergwelt - seiner schon von zahlreichen Vorfahren weitervererbten Lust zu frönen - dem Weidwerk. Da kam es auch öfters vor, dass er dem Messner schon am Vorabend zuraunte: "Söffle, moan läasemr a Jägar-Mössle" (übersetzt: "Söffle, morgen lesen wir eine Jäger-Messe"). Da ertönte anderntags schon um 2 Uhr früh die Glocke, welche zum Gebet rief und etwa eine Stunde später machte sich der Hans bereits auf mit seiner Flinte in den Bergwald und hinauf ins Gebiet der Gimpelalpe zu marschieren.

Als es 1796 hieß, die französischen Truppen am Oberjoch abzuwehren, lag der Hans mit der Feuerwaffe in der Hand an vorderster Front der Landesverteidiger. Sein treffsicheres Auge und das Talent zum Schießen, welches ihm bei der Jagd ansonsten immer zur Seite stand, wird ihn wohl auch hier nicht immer sein Ziel verfehlen haben lassen. Letztendlich wurde er sogar in den Zeitungen für seinen Heldenmut und dem Willen seine Heimat zu verteidigen geehrt.

Aber auch sonst war der Herr Hans vom Bichl nicht frei von Extravaganzen. So hielt er viel auf die körperliche Ertüchtigung und stählte viele Stunden am Tag seinen Körper. Dabei diente ihm sein Hausdach als Trainingsgerät: dort wurde herum geklettert, am Giebel balanciert und an der Dachtraufe der Handstand geübt. Aber auch in seinen Bergen galt es immer wieder, solche Kunststücke etwa auf spitzen, stark exponierten Felszacken zu üben, von welchen ein Sturz in die Tiefe allemal den sicheren Tod bedeutet hätte.

Noch lange trug der nebst der Tannheimer Hütte aufragende Felszacken den Namen "Gräner Häare Näs" (Felsnase des Pfarrers von Grän). Auch die Grate und Zacken im Gebiet zwischen Köllenspitze, dem Gimpel und der Roten Flüh dürften vor ihm nicht sicher gewesen sein.

Nach 47 Dienstjahren in Grän verstarb Johann Rief hochbetagt am 3. Dezember 1831 ebendort.

Engetal


Durch das Engetal verlief zur Zeit der Salztransporte ein Verbindungsweg von der sogenannten Oberen zur Unteren Salzstraße. Im Bereich zwischen Seealpe und der Fallmühle sind noch Reste der einstigen Trasse im Gelände erkennbar. Wahrscheinlich wurde dieser Querweg genutzt, wenn bei schlechter Witterung die jeweiligen Pässe an den Talausgängen nicht passierbar waren.

An der Engstelle bei der Häusergruppe Enge, in der Nähe des alten Zollhauses waren noch bis in das 19. Jahrhundert Schanzenreste - aus der Zeit des Franzosenkrieges - auszumachen.

Der Aderatsbachmann im Engetal


Wenn man vom Tannheimer Tal durch das Engetal nach Pfronten geht, kommt man hart an der Landesgrenze über den Aderatsbach der vom Ackerloch beim Magnusacker und dem Aggenstein herabfließt und sich mit dem Seebach vereinigt. Hier hatten früher viele oft mit dem Aderatsbachmann zu tun, der den Leuten auf den Rücken sprang und sich eine Strecke tragen ließ, wobei er immer schwerer wurde, dass viele es fast nicht mehr aushalten konnten. Auch die Fuhrleute, die durch das Tal mussten, hatten Probleme mit ihm. Er machte ihre Rosse scheu, oder er saß auch ihnen auf. Üblicherweise hatte er seinen Gang im Aderatsbachtal, kam aber auch bis zu dem Bendelsgraben und sogar zu der Mooshütte.

Man hörte ihn oft juchzen und schreien oder mit der Geißel "schnöllen" und wenn ihm die Fuhrleute darauf angaben und nichtsahnend "zurück schnöllten", so war er im Nu da und saß auf dem Wagen.

Auch in der Mooser Hütte ging es nie so recht geheuer zu und der Geist trieb sein Unwesen, dass die Hirten sich oft nicht mehr darin aufhalten konnten. Einmal kamen auch die "Finanzer" vom Zollhaus, die von dem Geist gehört hatten und sagten, sie möchten jetzt einmal den Geist erlösen. Sie ließen sich in der Hütte nieder, hängten die Gewehre an die Wand, machten ein Feuer an und wollten nun auf den Geist warten.
Auf einmal wurden aber allesamt zur Hütte hinausgeworfen, dass sie gar nicht wussten wie ihnen geschah. Jetzt packte sie ein solcher Schauder, dass sie alle davon liefen und sogar die Gewehre zurückließen, die ihnen der Hirt anderntags bringen musste. Sie wollten mit dem Geist nichts mehr zu schaffen haben.

Manche vermuten, der Aderatsbachmann sei zu seinen Lebzeiten selbst ein Hirte gewesen, der den Leuten Schaden zufügte und darum hier "geisten" müsse.
Reiser 1895


Vermutlich bis in das 16./17. Jahrhundert befand sich ein kleiner, flacher See in der Niederung des Tals westlich der heute noch als Seealpe bezeichneten Alpe. Inzwischen ist der See einer sumpfigen Feuchtwiese gewichen.

der Weiler Haldensee


Der direkt am Haldensee gelegene gleichnamige Weiler steht auf dem Geröllkegel des Edenbaches, welcher die Ansiedlung in früherer Zeit auch immer wieder durch Hochwasser und Muren bedrohte. Eine im 19. Jahrhundert vorgenommene Verbauung leitet dessen Wasser inzwischen unmittelbar nach dem Austritt aus der Schlucht - am Ort vorüber - gegen Osten in den See ab.

Wie der Haldensee entstand


Dort wo heute der Haldensee liegt, lebte einst ein reicher Bauer. Nicht fassbar, welcher Reichtum ihn umgab und wie groß sein Anwesen sich ausmachte. Hoch auf einem "Bichl" stand sein Haus, ausgestattet mit einer großen Altane, großen Fenstern und grünen Fensterläden. In den vielen Räumen standen Dutzende von Truhen, gefüllt mit Geld, Flachs und Wolle, feinstem Tuch. Im oberen Haus konnte man ein glitzern und funkeln ausmachen, von Gold und Silber. Auf dem Heuboden lagerten dreihundert Fuder bestes Heu. Die Stallungen waren voll des Besten Viehs.


Ein Sommerregen hinterlässt einen Regenbogen über dem Seespiegel
Eines Tages jedoch starb der Bauer, damit gingen seine einzigen beiden Töchter rasch daran das große Erbe unter sich aufzuteilen. Eine der beiden Töchter war jedoch blind. Sie konnte nicht sehen, dass ihre Schwester sie zu betrügen versuchte. Die Sehende stellte also vor eine jede einen Messkübel, der Blinden jedoch hatte sie diesen umgedreht hingestellt, sodass nur der Bodenrand wenige der vielen Münzen fassen konnte.

So betrieb es die Sehende eine ganze Weile. Sich selbst scheffelte sie das volle Maß, der Blinden aber immer nur ein paar wenige Münzen - gerade halt soviel in den Bodenrand passten. Voller Vorfreude und Gier hielt es die Blinde aber nicht mehr aus und wollte mit beiden Händen in den Messeimer fahren um in den herrlichen Goldmünzen zu wühlen.

Auf der Stelle bemerkte sie den Betrug. Ihre zuvor vor Gier grinsenden Gesichtszüge verfinsterten sich schlagartig. Die Wut kroch durch ihr Antlitz und zu einem Schrei ansetzend verformte sich ihr Gesicht zu einer wüsten Fratze. Mit unermesslichem Zorn zischte sie einen Fluch über die Schwester aus. Laut brüllend wiederholte sie einen dieser Flüche und verwünschte alles um sie herum - "Wenn nu grad all's z'Grund giang!"

Kaum hatte sie diese Worte hinausgeschrien, verfinsterte sich der Himmel und tiefgraue Wolken sammelten sich über dem weitläufigen Anwesen. Mit lautem Tosen regnete es darauf, bis bald die Bäche über ihre Ufer traten und riesige Wassermassen wie Wellen über die Felsen rund um den Besitz in die Tiefe donnerten. Das ganze Weideland, die Felder und zuletzt der Hof auf dem Bichl - alles war bald von dem Wasserspiegel eines damit entstandenen Sees bedeckt. Mit dem ganzen Gold und Silber, dem übrigen Reichtum, den Tieren des Hofes - gingen auch die beiden Seelen der zwei Schwestern mit unter.

Einer der gezischt ausgesprochenen Flüche der Blinden machte aber aus der Sehenden einen Drachen, welcher fortan unter der Wasseroberfläche für immer leben musste. Gerade in den Wintermonaten, wenn das Eis kracht und "schreit", kann man sich sicher sein, den Drachen in der Tiefe jammern gehört zu haben.


am Ende des 2. Weltkrieges


Ein fatales Ende nahm das letzte Aufbäumen des deutschen Widerstandes in den letzten Kriegstagen von 1945, als die Amerikaner von der Enge aus den Ort mit Granaten beschossen. Der Großteil der im Ort befindlichen Häuser wurde zerstört und 32 Menschen kamen dabei ums Leben. Darüber hinaus wurde auch die Mehrheit der landwirtschaftlichen Existenzgrundlage vernichtet, denn auch 53 Rinder fanden den Tod im Granatenhagel.

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