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Kaisers


Region: Lechtal


erste urkundliche Erwähnung: 1275
Fläche: 74,50km²
Höhe: 1518m
Ortsteile: Kienberg, Boden


der aufgrund der topografischen Verhältnisse recht verstreut liegende Ort Kaisers

Siedler aus dem Stanzertal


Noch lange bevor die ersten Siedler sich in dem Hochtal niederließen, wurde das Gebiet von Bauern aus dem Stanzertal als Alpe und Weidegrund für ihr Vieh genutzt. Bereits am Beginn des 13. Jahrhunderts gab es eine Ansiedlung in dem Gebiet, über das Kaiserjoch kamen Stanzertaler Aussiedler um die vormaligen Alpen als Dauersiedlungen zu bewirtschaften. Noch bis 1938 war Kaisers der Gemeinde Pettneu am Arlberg - also dem Bezirk Landeck - zugehörig, welche bis zum heutigen Tag das Almrecht in Kaisers besitzt.

Höhenlage und Bergbau


Bedingt durch die doch erhebliche Höhenlage zählt die Gemeinde zu den wohl kargsten Landstrichen im Bezirk. Im 15. und 16. Jahrhundert blühte der Bergbau - gerade im Almajurtal - und bescherte den Anwohnern eine Existenzgrundlage. Nachdem der Betrieb in den Gruben und Schürflöchern jedoch eingestellt wurde, zog auch die Armut wieder in die Häuser ein. Um die Versorgungslage nicht noch weiter zu schwächen, zogen viele Männer des Ortes als Saisonarbeiter in die Fremde. Die Kinder der ärmsten Bauernfamilien wurden zudem etwa ab dem 17. Jahrhundert als sogenannte Schwabenkinder in die Gebiete um Ravensburg und in den Bodenseeraum verdingt.

die Kirche von Kaisers


In der frühen Besiedlungsphase waren die Bewohner des entlegenen Bergdorfes mit einem ganzen Tagesmarsch für den Kirchgang nach Stanz - der Mutterpfarre von Kaisers - konfrontiert. Woraufhin sich die Menschen aus Kaisers bald der doch erheblich näher gelegenen Kirche im Lechtal, genauer nach Holzgau, zu wandten. Ab 1687, der Erhebung der Kirche in Steeg zur Kaplanei, wird Kaisers von dort aus seelsorglich betreut.

Ein erster Kirchenbau im Ort selbst ist für 1629 aufgrund eines Pestgelöbnisses bezeugt. 1750 wird diese Kirche erweitert.

Im Jahr 1833 zerstört ein Brand die Kirche von Kaisers. Welche aber bald darauf in größerem Ausmaß neu erbaut wird. Aber bereis im Jahr 1851 wird das Gotteshaus der höchstgelegenen Außerferner Gemeinde abermals ein Raub der Flammen. In den Jahren 1851 bis 53 erfolgte dann der letztmalige Neubau in ihrer heutigen Erscheinung.

Güterweg


1934 wird Kaisers durch einen Güterweg erschlossen. 1992 erfolgt der Ausbau zur Straße - vorerst von Steeg nach Kienberg, erst später wird die schmale Fahrbahn bis hinauf nach Kaisers vollendet.

Lawinenunglück


Auf dem Weg zur Schule wird 1956 ein Schüler aus Kaisers von einem Schneebrett mitgerissen. Trotz schneller Hilfe konnte der Junge nur noch tot aus den Schneemassen befreit werden.

Das versunkene Dorf im Almejurtal


Im Almejurtal (Almajurtal) bei Kaisers wurde in grauer Vorzeit ein ergiebiges Silberbergwerk betrieben, das die Bewohner des nahegelegenen Dorfes reich, aber auch übermütig machte. In ihrem verblendeten Stolz meinten die Dörfler, die Sonne gar nicht mehr zu brauchen. Sie wollten ihre Häuser selbst erleuchten und schlossen am hellen Tag die Fenster und Türen gegen jeden Sonnenstrahl ab. Bald war das Maß ihrer Frevel voll. Als Strafe für diesen Hochmut versank in einer Sturmnacht das ganze Dorf mit der Kirche und den Menschen.

Ein Hägerauer Bauer, der einmal zur nächtlichen Stunde über die Alpe ging, geriet unversehens in einen unterirdischen Gang. Zuerst tastete er sich im Finstern weiter, dann zündete er eine Kerze an und geriet schließlich in einen weiten, hohen Raum, in die gewölbte Kirche des einstigen Dorfes. Auf dem Altar brannten viele Kerzen auf silbernen Leuchtern. Im hintersten Betstuhl saß ein alter, schlafender Mann, den die Schritte des Bauern aufweckten. Der Alte fragte den Hägerauer nach dem Jahr der Zeitrechnung. Als er sie gehört hatte, sank er mit dem Seufzer: "Es ist noch nicht Zeit!" wieder in seinen Schlaf zurück.
Den Bauern aber fasste das blanke Entsetzen, und er floh ins Freie, nahm aber vorher vom Altar einen silbernen Leuchter mit. Zu Hause erzählte er seiner Frau das schaurige Erlebnis und zeigte ihr zum Beweis den Leuchter. Später am Abend legte er sich schlafen, am nächsten Morgen aber war er eine Leiche.

Sooft man später den unterirdischen Gang auch suchte, er war nirgends mehr zu finden.
Reiser, Zingerle - 1895

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