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Nesselwängle


Region: Tannheimer Tal


erste urkundliche Erwähnung: 1434 (Nesselwänglin)
Fläche: 23,02km²
Höhe: 1136m
Ortsteile: Rauth, Haller, Schmitte



der Ort Nesselwängle mit der Schneid und der bewaldeten Erhebung der Dietzl - rechts davon das Tiefjoch; (Aufnahme von 2003)

erste Siedler


Die ersten Siedler kamen über die Lechaschauer Alpe und dem Tiefjoch in das Gebiet von Nesselwängle um sich auf dem Schuttkegel des Gröben- und Stadelbaches niederzulassen. Durch gezielte Neuansiedlungen wollte Tirol seine Präsenz gegenüber den Grafen von Montfort im Tal stärken.

Kirchengeschichte


Bereits im 15. Jahrhundert wird von einem Kirchenbau zu Unserer Lieben Frau in Nesselwängle berichtet. 1632 erfährt diese eine Renovierung, wird jedoch 1722 von einer Lawine vollständig zerstört. In den Jahren 1728 bis 1732 erfolgte dann ein Neubau an anderer Stelle, um eine weitere Beschädigung durch Lawinen zu vermeiden. 1882 wird diese Kirche ein Raub der Flammen.

die Salztransporte


Ab 1550 begann der Aufstieg von Nesselwängle zu einem bedeutenden Niederlagsort entlang der Salzstraße. So wurde im Ort ein dreistöckiger Salzstadel errichtet, die hiesigen Rodfuhrleute stellten bis zu 80 Pferde für die schwierigen Vorspanndienste.

der Dreißigjährige Krieg


Neben den Abscheulichkeiten und der Grausamkeit des Krieges, waren es auch zahlreiche Pestopfer, welche im ersten Viertel des 17. Jahrhunderts Gruben

Hotel Alpenhof - © Foto: Sammlung Risch-Lau, Vorarlberger Landesbibliothek
und Gräber außerhalb der Siedlungen mit Toten füllten. Als wäre diese Bürde noch nicht groß genug gewesen, folgte der ersten Sterbewelle bald eine weitere. Wer dem Tod in den Jahren des Krieges und der Zeit der Pest davongekommen war, dem drohte nun der Hungertod. Von 1621 bis 23 kam es zu einem katastrophalen Nahrungsmangel, welcher die Reihen der Überlebenden noch einmal ausdünnte. Der Überlieferung zufolge verkauften die Nesselwängler ihre herrlichsten Bergmähder an der Gaichtspitz für zwei Sack Musmehl an die Weißenbacher.

1635 gab es die nächsten Anzeichen der Pest. Kaiserliche Soldaten hatten sie in das Allgäu eingeschleppt und - diesmal wurden gar ganze Familien und Sippen ausgelöscht. In manchen Orten wurde die Hälfte der Bewohner dahingerafft, in anderen gar noch mehr. In Pfronten beispielsweise gab es keinen Ehebund mehr, von welchem nicht mindestens einer der Ehepartner an den Folgen der Seuche verstarb. Die meisten Pestkapellen stammen aus dieser Zeit.

Muren


Überschattet wurde die Geschichte des Ortes immer wieder von verheerenden Murenabgängen aus den mergeligen Hängen unterhalb der Roten Flüh und der Köllenspitze. Etwa 1814, am 25. Juli 1834 oder am 24. August 1846 wurde der ganze Ort durch diese Naturgewalt bedroht und insgesamt 74 Häuser beschädigt.
Weitere, wenn auch weniger schadenbringende Murenabgänge gab es: 1876, 1898, 1901, 1967, 1975 und 1982.

Bergsturz



Kapelle der hl. Dreifaltigkeit in Rauth
1849 ereignete sich südlich des Schartschrofens ein massiver Bergsturz, welcher große Waldflächen unter sich begrub und einen heute noch erkennbaren Wust aus überwachsenen Blöcken - die Sulz genannt - hinterlassen hat.

Brandkatastrophen


Mindestens drei Großfeuer zerstörten große Teile der Gemeinde. Am 10. Oktober 1863 wurden insgesamt 42 Häuser von den Flammen vernichtet, am 18. März 1882 brannten 19 Häuser und das Gotteshaus lichterloh.

Der Weiler Rauth brannte um 1780 vollständig nieder, da beim Selchen (Räuchern) von Hirschfleisch ein Feuer ausgebrochen war.

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