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Kennen wir heute Salz
lediglich als billiges Würzmittel, so war es in früherer Zeit
kostbarer als Silber. Beispielsweise wurde Brot früher nicht
gesalzen. Der Mineralstoff Salz war einfach zu rar und zu teuer.
Lediglich die reichere Bevölkerungsschicht konnte es sich
leisten ihre Speisen damit zu würzen.
Trotzdem lag der Verbrauch im Mittelalter pro Kopf und Tag bei
etwa 27 Gramm. Soviel deshalb, weil Salz zum Konservieren von
Lebensmitteln verwendet wurde. In der Blütezeit der
Salztransporte durch das Außerfern wurden jährlich bis zu 16.000
Tonnen Salz in die Gebiete von Schwaben, der Bodenseegegend,
nach Vorarlberg und ins Elsaß gebracht. Für den jeweiligen
Landesherrn bedeutete dies freilich eine enorme Einnahmequelle.
Gehen wir vorerst aber in der Geschichte ein wenig in der Zeit
zurück, genauer gesagt um rund 200 Millionen Jahre: Das Gebiet
von Tirol lag zu jener Zeit in einer Küstengegend eines
Flachmeeres und war für lange Zeit von Meer bedeckt. Das Wasser
verdunstete und übrig blieb eine dicke Salzschicht. Durch die
Kollision der beiden Kontinentalplatten von Afrika und Europa
wurde die Schichtung aufgeworfen, aufgefaltet und überschoben:
die Alpen entstanden.
Durch die Erosion wurde eine solche Salzader im Halltal bei
Schwaz freigelegt und Ende des 13. Jahrhunderts entdeckt (Zuvor
wurde Salz von den Salzstätten in Reichenhall (Berchtesgaden)
und Hallein (Salzburg) gefördert). Im 14. Jahrhundert begann
dann die Blütezeit des Haller Salzes. Die Fördermengen die durch
das Außerfern transportiert wurden nahmen stetig zu. Viele
Menschen im Bereich von Zwischentoren, dem Talkessel von Reutte
bis Vils und dem Tannheimer Tal lebten von der Rod oder
verdienten sich mir ihr wenigstens ein ansehnliches Zubrot.
Ein wirtschaftlicher Aufschwung ging also mit den
Salztransporten im Außerfern einher, welcher bis etwa Mitte des
18. Jahrhunderts währte. Zu dieser Zeit wurde nämlich im
schweizerischen Aargau ein Salzvorkommen entdeckt, woraufhin der
Salzhandel mit Hall zusammenbrach. Für das Außerfern brach damit
ein düsteres Kapitel in seiner Geschichte an, welches von Hunger
und bitterer Not gekennzeichnet war.
Die Rod
Der Begriff bedeutet "Reihe", also die Reihenfolge in welcher
die Fuhrwerke den Transport der Güter durchzuführen hatten.
Bauern die an der Strecke der Salz- und Handelsstraße ansässig
waren hatten das Recht, die Waren mit ihren Ochsen, Rössern und
Karren von einer Niederlagsstätte zur nächsten zu
transportieren. Allerdings ging aus diesem Recht auch die
Pflicht hervor, dass wenn eine solche Fuhr anstand diese auch
pflichtgemäß und schnellstmöglich abzuwickeln war.
Die Wanderhändler waren in bestimmten Orten verpflichtet ihre
Güter wiegen zu lassen und an den nächsten Frächter weiter zu
geben (Stapelzwang). Waren- oder so genannte Ballhäuser (Pallhäuser)
entstanden, genaue Regelungen der Rod wurden festgelegt.
Salzstädel wurden im Außerfern beispielsweise in Lermoos, Reutte,
Vils und Nesselwängle errichtet.
Die Salztransporte ließen neben den Rodfuhrleuten aber auch noch
andere Gewerbe und Berufe aufleben. Die Salzstraße wurde zu
einer wahren Lebensader durch den Bezirk. Gaststätten florierten
durch die Nächtigungen der Handelsreisenden, Schmiede wurden
gebraucht um die Rösser zu beschlagen und Reparaturen an den
Wagen durchzuführen, Handelsbedienstete überwachten die
logistische Abwicklung der Güter, Handwerker arbeiteten an den
Niederlagshäusern und Salzstädeln.
Die Straße
Von Nassereith kommend stieg die Straße steil gegen den Fernpass
an, einem der beschwerlichsten Teilstücke der Transportstrecke
durch das Außerfern. Tier als auch Mensch kamen in den damaligen
Tagen oft zu Schaden, mussten sich bei schlechter Witterung über
die Anhöhe heraufkämpfen und verloren dabei oftmals auch ihr
Leben durch Lawinenabgänge und Muren. 1543 wurde dann eine neue
Straße angelegt und teilweise auch in den Fels gesprengt.
Von der Anhöhe des Fernpasses ging es dann an den Fernpass-Seen
vorüber hinunter zu der Ortschaft Biberwier. Dort ist noch heute
ein Stück dieser Straße sichtbar: beim Scharfen Eck. Von
Biberwier zieht die Strecke in etwa dem Lauf der heutigen
Bundesstraße folgend nach Lermoos, hier war auch der
streckenmäßig erste Salzstadel auf Außerferner Boden errichtet
worden.
Von Lermoos ging es weiter nach Unter- und Obergarten (Ortsteil
von Lermoos) und in einigen Kehren auf die Anhöhe bei Lähn (im
Spätmittelalter war Lähn der erste Niederlagsort im Außerfern,
Lermoos kam erst ab 1505 in diesen Genuss). In Lähn wurden dann
die Pferde gewechselt und es ging weiter über Bichlbach nach
Heiterwang. Heiterwang war, gleich wie Lermoos (und zuvor Lähn),
ebenfalls Niederlagsort.
Nach der Ortschaft Heiterwang stand die Überschreitung des so
genannten Katzenberges an. Hatte man diesen überquert verlief
die Straße wieder in Richtung Talboden und hin zur Ehrenberger
Klause. Die Klause wurde als Zollstelle genutzt und wurde durch
zwei große Tore geschützt, die Weiterreise konnte erst
angetreten werden nachdem die Zollgebühren entrichtet wurden.
Weiter durch den Talboden hinaus und hinunter zur Katzenmühle,
wo sich der Weg teilte: einer führte nach Ehenbichl hinunter zu
einer Furt über den Lech nach Höfen, der andere über Reutte nach
Breitenwang. 1464 wurde dann eine Brücke von Reutte nach
Lechaschau errichtet. Die Furt bei Ehenbichl wurde auf Grund
ihrer Gefährlichkeit nicht mehr genutzt und die Gemeinde
Breitenwang verlor durch den Brückenbau an Bedeutung. Reutte war
somit zum Verkehrsknotenpunkt geworden.
Die Salzstraße führte in Reutte zuerst durch den Obermarkt
(Salzstadel) und dann hinunter in den Untermarkt (Salzstadel)
zum Zeillerplatz (siehe dazu auch "Marktführung durch Reutte").
1649 wurde Reutte dann zum Hauptniederlagsort ernannt und stand
somit in seiner wirtschaftlichen Blüte.
Über das Untergsteig führt die alte Straße hin zur Lechbrücke
und über den Lech hinein nach Lechaschau. Hier gabelt sich nun
der Weg. Zum Einen führt weiter dem Lauf des Lech folgend die
"Untere Salzstraße" in Richtung Vils und in südwestlicher
Richtung die Hauptsalzstraße nach Immenstadt und somit ins
Allgäu.
Von Lechaschau über die Platte nach Höfen und vorbei an der
Engstelle des so genannten "Gächtle" weiter nach Weißenbach.
Hier stand einst ein Not- und Wetterstadel, da man bei
ungünstigen Wetterverhältnissen den Gaichtpass besser mied.
Schon 1308 taucht in einer Urkunde die "Hallstraße" mit dem
Verlauf über den Gaichtpass ins Tannheimer Tal auf. Anfangs war
diese Strecke für den Transport mit schweren Wagen jedoch nicht
geeignet und so wurde die Strecke im Bereich des Gemstales in
den Jahren 1540-1550 neu trassiert.
1756 kam es erneut zu Bauarbeiten an der Gaichtpass-Strecke. So
wurde mittels Schwarzpulver an den Engstellen der Fels
abgesprengt und so die Spur wesentlich verbreitert, was eine
enorme Erleichterung für die Fuhrwerker bedeutete.
Noch heute finden sich im Bereich der Gemstal-Brücke Reste einer
Befestigungsanlage. Der Dreißigjährige Krieg machte es im Jahre
1632 nötig eine Sperrmauer mit Tor und Schießscharten zu
errichten. Diese Wehranlage, welche ein Vorwerk von Ehrenberg
darstellte, hatte bis 1796 bestand und wurde dann dem Verfall
preisgegeben.
Nachdem die Passstrecke an der Gaicht bewältigt war führte die
Strecke über den gleichnamigen Weiler weiter nach Nesselwängle,
wo sich der nächste Salzstadel befand. Etwa um 1550 wurde im
Zuge des Ausbaues der "Hallstraße" ein dreistöckiges Bauwerk
errichtet.
Entlang der heutigen Straße führte die Route am nördlichen Ufer
des Haldensees weiter nach Tannheim, Zöblen und dem Schattwalder
Vilsrain. Hier querte die Straße den Vilsbach und zog sich
hinauf zum Oberjoch und verließ somit das Außerfern. |
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