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Reutte


Region: Reutte Umgebung


erste urkundliche Erwähnung: 1278 - Ruthi
Fläche: 100,90km²
Höhe: 853m
Ortsteile: Untermarkt, Obermarkt, Tränke, Mühl, Unterlüss, Oberlüss


die Orte im Talkessel sind größtenteils schon zusammengewachsen - Breitenwang und Reutte (vorne)

Funde


Im Ortsgebiet von Reutte wurde ein lediglich fragmentarisch erhaltener Dolch bronzezeitlicher Zeitstellung (~1500 v. Chr.) aufgefunden.

Seen


Reutte besitzt einen Anteil am Plansee, dem mit knapp 3 km² Fläche zweitgrößten See Tirols. Der Urisee liegt voll umfänglich auf Reuttener Gemeindegebiet.

Die Pilgerreise des Felix Fabri


siehe hier

Grenzstreitigkeiten


1495 kam es zwischen dem Benediktinerstift Ettal und den Leuten von Reutte zu einem Streit wegen dem Grenzverlauf im Gebiet des Ammerwaldes. Vom Stift wurde die Anklage erhoben, die Reuttener würden bei


der Obermarkt und das Gemeindeamt im 19. Jhd.
Bildautor unbekannt
Forstarbeiten viel zu weit auf bayerisches Gebiet vordringen. Die Reuttener hingegen beschwerten sich, die Leute von Ettal würden sich auf der Suche nach dem kriegswichtigen Eibenholz viel zu weit auf Tiroler Gebiet vorwagen. Vom Stift Ettal wurden die Torsäulen, eine Felsenge nahe dem Plansee, als Grenze beansprucht. Die Tiroler jedoch konnten sich gegen die Bayern durchsetzen und die Grenzlinie weit in den Ammerwald zurückverlegen, dort wo sie heute noch verläuft.

Die von den Ettalern geforderte Grenzziehung an den Torsäulen hatte eine historische Grundlage, denn bereits im Jahr 1060 wurde eine kirchliche Grenze von dem Bistum Freising eben in diesem Bereich beschrieben. Der Verlauf folgte der Linie Zwieselberg, durch den Plansee hindurch durch die Neidernach nach Griesen im Loisachtal. Also war der östliche Teil des Plansees zu jener Zeit im Besitz des Hochstifts Freising.


Blick vom Zunterkopf (Tauern) auf den Reuttener Talkessel

Kattunfabrik


Joseph Rohrer berichtet in seinem Buch Uiber die Tiroler aus dem Jahre 1796
...die Kattunfabrik des Herrn Strele von Strelburg zu Reutti, welche doppelt so viele Personen in den Pfarreyen Tannheim, und dem obern Lechthale zum Spinnen, Weben, Drucken und Färben in Bewegung setzt...

Ludwig Steub's Reise durch das Außerfern (1846)


...Reute ist ein großer ansehnlicher Flecken, reichlich versehen mit stadtmäßigen Häusern...

...es findet sich nicht überall das prächtige Zusammenspiel von Bergen wie der Säuling, dessen schroffe Kuppen hoch aus dem Fichtenwald ragen, der Tauern beholzt bis zur Höhe, der Tarneller mit vollgeschneiten Rissen gestriemt bis zur Hälfte herab, wie die nahen Aschauer Höhen, reich an Alpen und in vielen Spitzen emporbrechend, und in der Ferne der mächtige Stock weißer Lechthaler Hörner...




Der Teufel als Maskenführer


Es war Fasching und auch zu Reutte ging es hoch und zugleich toll her, alles war verkleidet und halb von Sinnen vor Lust und Jubel. Am tollsten trieben es elf junge Burschen, sie hatten die abenteuerlichsten Masken ausgesonnen und sich in dieselben gesteckt, hielten zusammen und stürmten in Reutte herum wie das Wilde Heer. Man wusste wer sie waren, wenn man auch nicht die einzelnen erkannte, man wusste auch, dass sie nur elf an der Zahl waren.

Einer sprang und tollte voran, die anderen folgten paarweise mit Geschrei und lautem Hallo. So trieben sie es bis spät in die Nacht hinein. Aber Schlag Mitternacht waren es plötzlich sechs Paar! Zum Zugführer hatte sich ein weiterer gesellt, der ohne Maske war und über dessen Anblick doch jeder, der ihn sah, sich entsetzte. Es war der Teufel selbst in seiner ganzen abschreckenden Gestalt und Erscheinung.

Er sprang und tollte und glühte über und über und leuchtete demnach schauerlich durch die Nacht. Seinen "Gefährten" aber stand das Grausen ins Gesicht geschrieben. Nun aber war es zu spät, sie waren wie gebannt und mussten ihm folgen - die ganze Nacht durch bis zum ersten Hahnenschrei. Da griff der Teufel seinem Nebenmann in den Nacken, brach ihm das Genick und fuhr mit seiner Seele samt Haut und Haar zur Hölle.
Alpenburg - Deutsche Alpensagen - 19. Jhdt.


Nächstgelegene Orte





Die Pilgerreise des Felix Fabri


1483
Am 16. April zieht der Dominikanermönch Fratris Felicis (Felix) Fabri im Tross einiger Ritter, welche sich auf dem Weg in das Heilige Land befanden, durch das Außerfern:

"...wir aber eilen an den Fuß des Gebirges. Vor unserer Weiterreise nach Pontina (Innsbruck) übernachten wir in dem Dorf Ruti (Reutte), welches an dem Fluss Licum gelegen, welcher von den Bewohnern Lech genannt wird.

Am 16. Tag (des April) verlassen wir das am Fuße der Rhätischen Alpen gelegene Ruti. Der Zeitpunkt für den Aufstieg in die Rhätische Alpen war ungünstig, der Weg durch das schlechte Wetter gesäumt von tiefen Löchern mit Schlamm. Am vorhergehenden Tag regnete es und in der Nacht war Schnee gefallen. Die Pferde versanken bei jedem Schritt bis zum Bauch im Morast, wir selbst standen bis zu den Knien im Dreck.

Schließlich erreichten wir eine Sperrfestung in den Rhätischen Alpen, Ehrenstein genannt. Wir setzten unsere Reise fort und stiegen hinan zum Berg Fericii (Fernpass). Auf der anderen Seite führte uns unser Weg wieder hinab. Da wir heutigen Tages noch weiterkommen wollten, durchschritten wir das Dorf Nazarith (Nassereith). Abermals erhob sich ein hohes Gebirge (der Holzleitensattel) und wir stiegen hinauf bis wir das Dorf Schneckenhausen (es ist anzunehmen, dass er damit die Ortschaft Affenhausen auf dem Mieminger Plateau meinte) erreichten..."


1484
Ende Januar passiert der Mönch Felix Fabri, von dem Kreuzzug aus Jerusalem und Ägypten zurückkehrend, abermals das Außerferner Gebiet. Wiederum beschreibt er den Verlauf der Reise:

"...nach dem Frühstück führten wir unsere Pferde hinauf in Richtung des Berges Fern (Fericium montem). Wir gelangen an eine Bergwacht, inmitten des Sees thront die Sigmundsburg auf einem Bergrücken. Ein Schloss, erbaut um Vergnügen zu bereiten...

...beginnt der Aufstieg, mithilfe des sonst von Lastkarren und Saumpferden genutzten Handelsweges zwischen Italien und Germanien, sowie für Waren Germaniens, welche nach Italien geführt werden. Wir stiegen also mühevoll den Fernpass hinan und von dessen Anhöhe auf der anderen Seite auf weitem Weg zwischen den Gebirgen hinab und ritten durch Lermoos und andere Orte zum Dorfe Reutte um dort die Nacht zu verbringen...

...über Reutte erhebt sich ein steiler Berghang, über welchen wir absteigen. Vor der Festung befindet sich die neue, von sehr festen Mauern umgebene und verriegelte Bergwacht (Klause) und darüber erhebt sich die uneinnehmbare Festung Ehrenstein...

...Am 26. Tag (Januar), nach dem Frühstück in Ruti (Reutte), überquerten wir die Brücke und ritten durch eine waldreiche Aulandschaft, die mit den sich darüber erhebenden Gebirgen, den Hainen und Wiesen und dem dahinfließenden Lech im Sommer recht schön anzuschauen sein mag. Durch das Städtchen Vils und das Dorf Nesselwang ziehen wir weiter, und verlassen das Gebirge. Am Ende des Kemptener Waldes reiten wir zu der Stadt Kempten hinab, wo wir die Nacht verbringen wollen..."







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