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Salzstraßen im Außerfern

Bildquelle: Transparent im Ortskern von Simmerberg



im Reuttener Becken


Die Bezeichnung 'im Reuttener Becken' wäre bis in die Mitte des 15. Jahrhunderts nicht zutreffend gewesen. Reutte war zu diesem Zeitpunkt noch ein kleines Dorf - eine wenig bedeutsame Ansiedlung westlich von Breitenwang, dem eigentlichen ehemaligen Zentrum der Region. Die Wende brachte 1464 der Bau der Brücke von Reutte aus über den Lech nach 'der Aschau' (wie Lechaschau früher genannt wurde). In den Jahren zuvor diente eine Furt bei Ehenbichl als Übergang in die heute noch als 'Platten' bezeichnete Örtlichkeit bei Höfen.



Zog also zuvor die Straße vom nördlichen Fuße des Katzenberges gegen Westen nach Ehenbichl, wurde deren Verlauf ab dem Zeitpunkt der Fertigstellung des Brückenbaues abgeändert. Von der Katzenmühle gegen Norden, am Sintwag vorbei grob in Richtung des Wolfsberges - einem Felsrücken am Lauf des Lechs und dem direkt unterhalb gelegenen Dorfkern von Reutte.

Reutte

Bereits sieben Jahre nach dem Bau der Lechbrücke erhält Reutte den Status einer 'Rodstation' und schon 1489 verleiht Erzherzog Sigmund 'der Münzreiche' dem Ort das Marktrecht. Im Laufe des Aufstiegs des Marktfleckens zum zentralen Umschlagplatz des Haller Salzes wurden im Ortsgebiet je zwei Salzstädel und Pallhäuser errichtet. Ein solcher Salzstadel befand sich im Obermarkt (Kreuzung Ehrenbergstraße, Innsbrucker Straße und Kaiser-Lothar-Straße). Im Untermarkt befand sich jener am Zeillerplatz, von welchem der historische Straßenzug - nördlich des Wolfsberges - über das "Gstoag" zum Lech und der Brücke hinabführt.



zwischen Lechaschau und Weißenbach

Nach dem Brückenbau leitete der Straßenzug durch Lechaschau und über Höfen und dem Ortsteil Hornberg vorüber am sogenannten Gächtle, einer Engstelle am von der Gundenspitze vorspringenden Ostrücken gegen den Lech. Der alte Verlauf der Bundesstraße dürfte dabei zu großen Teilen Deckungsgleich mit der historischen Route sein. Weiter unter den senkrechten Felswänden des Schwarzenbergs (heute als Steinbruch genutzt) hindurch und durch Wald und über die Weißenbacher Weideflächen in den am Lech gelegenen Ort am Fuße des Gaichtpass.

...die Straße zieht bald an malerischen Gehöften vorüber, bald biegt sie um vorspringende Felsenecken an denen unten der Lech sich schäumend bricht, oder sie zieht an langen öden Felsenwänden hin...
aus dem "Handbuch für Reisende im Algäu, Lechthal und Bregenzerwald" von Joseph Buck (1856)

In Weißenbach stand ein sogenannter Wetterstadel. Häufig machte die Witterung eine Weiterfahrt über den Pass unmöglich und so wurden die Fuhrwerke mit den Handelsgütern in diesem Bau abgestellt, bis eine Wetterbesserung eintrat oder die Schäden an der Straße für eine Weiterfahrt behoben wurden.



Eisenerzabbau bei Weißenbach

In jüngster Vergangenheit wurden die Erzstollen bei Untergaicht der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Dabei steht auf einer Infotafel geschrieben: 'Zur Zeit der Salztransporte von Hall über den Fernpass nach Reutte und durch das Tannheimer Tal nach Lindau wurden die Pferdefuhrwerke bei Ehenbichl per Floß auf die gegenüberliegende Seite nach Höfen überführt. Am Ortseingang von Weißenbach betrieb der alteingesessene Huf- und Nagelschmied Zitt eine Schmiede, in welcher die Pferde neu beschlagen werden konnten.
Das Rohmaterial dafür wurde aus diesem Stollen und etwas unterhalb sogar frei abgebaut, danach an Ort und Stelle verarbeitet.'



der alte Ga(i)chtpass

Vom Weißenbacher Ortskern leitet die Strecke in das enge Tal bis Untergaicht. Die um 1714 erbaute Wegkapelle Mariahilf markiert auch den Beginn des Anstieges am alten Gachtpass. Rund zweihundert Meter nach Beginn der Steigung sind heute noch die Grundmauern des alten 'Gasthaus zur Gacht' erkennbar, welches in der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts errichtet wurde. 1926 vernichtete ein Feuer die Schankwirtschaft.



Bald gelangt man in den Grund des Gemstobels, an dessen Engstelle 1632 ein Sperrwerk errichtet wurde. Hier stieg einst der Vorläufer der Salzstraße sehr steil als Saumpfad gegen Norden an. Da diese Route für die immer größer und schwerer werdenden Salzladungen nicht mehr zu bewältigen war, wurde - nachdem Kaiser Ferdinand I. 1531 noch die letzten Rechte im Tannheimer Tal von den Montforter Grafen abgekauft hatte - 1540 mit einer Neutrassierung als Fahrstraße begonnen. Die Fertigstellung dieses Bauprojektes erfolgte 1550. Davon zeugt heute noch das alte Steinfundament der ersten Rundbogenbrücke in den steilen Felsrinnen.

Textpassage aus dem Werk 'Das Tannheimer Thal' von Dr. August Kübler (1898)
"...sie zuletzt nur einer Kapelle spärlichen Raum gewähren, die ihren Ursprung dem frommen Sinne der Fuhrleute verflossener Jahrhunderte verdankt und wohl auch den bangen Gefühlen, mit denen sie den Schrecknissen der Gacht sich nahten. So heisst nämlich die Passstrasse, welche eben bei diesem Kirchlein einen scharfen Anstieg nimmt, um nach vier Minuten beim Gachtwirtshause etwas sanfter nach rechts abzubiegen...

...auf der andern (rechten) Seite blicken wir in das enge, steinerfüllte Gemsthal hinauf, wo sich unschwer die Spuren eines alten Saumweges erkennen lassen. Wer aber die Bequemlichkeit liebt, der verzichte darauf, dieselben zu verfolgen..."



Nach Überwindung der Tobel und Brücken führte die Straße über das sogenannte Krumme Ried - eine Ebene mit kleinem Pestfriedhof - steil hinauf zu dem Wegkreuz an der sogenannten "A´sötze" (die Fuhrleute "setzen hier ab", um zu bremsen oder den Radschuh unterzulegen) am Eingang in das Tannheimer Tal, bei dem politisch noch zu Weißenbach gehörenden Weiler Gaicht.

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Tannheimer Tal


von Gaicht nach Nesselwängle

In Gaicht - zu Weißenbach gehörend aber geografisch schon im Tannheimer Tal gelegen - wird an einer Tafel auf das "Älteste Haus des Tannheimer Tals" und einen Salzstadel aus dem 12. Jahrhundert hingewiesen. Jedoch sind beide Behauptungen nicht historisch belegt und erscheinen übertrieben.

Der weitere Verlauf der Strecke zwischen Gaicht und Nesselwängle ist eher unklar. Es erscheint auf den ersten Blick eher unwahrscheinlich, dass der Straßenzug ursprünglich wieder in die Talniederung zu der Stegmühle hinab geleitet wurde um dann entlang der Strecke zweimal den Warpsbach zu überqueren ehe man in Nesselwängle ankam. Eine Trasse östlich des Baches, dem heutigen Forst- und Radweg folgend erscheint plausibler - ist aber nur eine Vermutung.



In Nesselwängle entstand nach der Neutrassierung von 1550 ein Salzstadel und der Sitz einer Salzfaktorei. Zu Spitzenzeiten standen allein hier 80 Pferde für den Vorspann zur Verfügung. Bis 1674 befand sich im Ort auch eine Zollstelle, welche in genanntem Jahr allerdings an das Sperrwerk am Gaichtpass hinab verlegt wurde.

die Straße(n) zwischen Nesselwängle und Tannheim

Von Nesselwängle aus gelangt man am Gessenbach am sogenannten 'Buck' zu der Wasserscheide des Tals - wobei das Tannheimer Tal im eigentlichen Sinn gar kein Tal ist, vielmehr kann es als eine langgezogene Passlandschaft betrachtet werden. Vorausblickend schließt der Haldensee die gesamte Talenge ab. Nur wenige Häuser des Nesselwängler Weilers Haller ducken sich am steilen, bewaldeten Abhang. Ein schmaler Straßenstreifen am nördlichen Ufer des Sees leitet zu dem Gräner Weiler Haldensee auf der Westseite des Sees.



Für den Weiterweg bis Tannheim boten sich vermutlich zwei Varianten an. Die erste, direkt gegen Westen laufende Straße über die sogenannte 'Heaché' (Anhöhe) und als zweite Variante - wenn an der schattigen Heaché noch der Schnee lag - der Straßenzug über Grän nach Innergschwend und im Anschluss nach Tannheim.



von Tannheim bis nach Oberjoch

Den Ort Tannheim gegen Westen verlassend, durch Kienzen und über die Zöbler Felder bis in die kleine Ansiedlung am Fuße der Halde - Zöblen. Auch hier teilten sich die Straßenstränge auf - einer folgte etwa dem Verlauf der heutigen Bundesstraße über Katzensteig nach Schattwald bis nach Steig, der andere passierte Kappl und gelangte nach Steig. Ab hier galt es wieder eine ordentliche Steigung bis an den Scheitelpunkt am Oberjochpass zu bewältigen.



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Allgäu


vom Oberjoch den Jochpass hinab nach Hindelang

Nachdem das Oberjoch erreicht war, ging es anderseits über den Jochpass steil hinab. Genauso wie das bergauf fahren, hatte auch das Fahren bergab seine Tücken. Speziell die schweren Salzwagen bargen ein hohes Risiko, an der steilen Abfahrtsstrecke außer Kontrolle zu geraten. Oft wurden deshalb schwere Frachtgegenstände in Oberjoch zurückgelassen, weshalb zu Beginn des 19. Jahrhunderts ein Salzstadel in dem Ort am oberen Ende der Passstraße errichtet wurde.

Bald nachdem man das Dorf Oberjoch verlassen hat, gelangt man an die von den Rodleuten errichtete Kapelle 'Beim Bild' um vor der gefährlichen Abfahrt noch einmal Gottes Beistand zu erbitten. Das Gefälle steigert sich sodann nochmals und über eine kurvenreiche Strecke erreicht man die sogenannte Wacht - diese Zollstelle wurde von den Herren von Montfort an der Grenze zu ihrem Herrschaftsgebiet errichtet.

Weiter unterhalb der Wacht legt sich das Gelände wieder etwas zurück. Vermutlich hatte es im mittleren Bereich der Passstraße einige Ausweichtrassen gegeben um nötigenfalls dem Gegenverkehr ausweichen zu können. Verschiedene wie Hohlwege anmutende Gräben lassen dies zumindest vermuten. Auch wenig oberhalb von Hindelang scheint es noch einmal mindestens zwei Fahrbahnen gegeben zu haben, was jedoch aufgrund der Überbauung nicht mehr zweifelsfrei zu sagen ist.

Mit Hindelang im Ostrachtal ist auch die nächste Rodstation erreicht. Für die Abwicklung war wie in anderen Rodstationsorten der Salzfaktor zuständig. Der hatte seinen Sitz im sogenannten Dreikugelhaus, welches im Franzosenkrieg vom Jochberg aus von den Österreichern beschossen und eben mit jenen drei Kugeln getroffen wurde.



durch das Ostrachtal ins Tal der Iller und nach Immenstadt

Über Vorderhindelang geht es weiter nach Reckenberg und Staig, vorüber an der Burgruine Fluhenstein. Von Staig nach Berghofen und weiter nach Burgberg. Das Goimoos bei Agathazell nördlich über Greggenhofen umfahrend, gelangte dieser Straßenstrang zu der Unterzollbrücke. 1494 verlegte man die Strecke weiter gegen Süden, wobei man fortan über Liebenstein die Steigung hinauf nach Imberg hinter sich bringen musste. Von dort hinab nach Sonthofen und Rieden an der Iller zu der neu errichteten Oberzollbrücke. Westlich der Iller gelangt man letztlich über Blaichach nach Immenstadt.

Immenstadt war mit den Burgen Hugofels und Rot(h)enfels ab 1332 der Herrschaftssitz der Montforter. Ab 1360 erlangte das vormalige Immendorf das Stadtrecht. Die Salztransporte sorgten neben zahlreichen anderen Handelsgütern in Immenstadt für eine erfreuliche, wirtschaftliche Entwicklung. Als Salzrodstation hatte es das Niederlagsrecht inne, welches wiederum von einem Salzfaktor verwaltet wurde.



Konstanzer Tal

1360 findet sich in Dokumenten ein Beleg für das Interesse an der steten Befahrbarkeit der Strecke durch das Konstanzer Tal durch die Obrigkeit. Ihre größte Bedeutung erlangte diese Straße nach dem Ausbau der Jochstraße. Die vorwiegend als Salzstraße genutzte Strecke diente aber auch als Handelsroute zwischen Tirol und dem Bodenseeraum für andere Güter wie Wein, Getreide, Leinen oder etwa Holz.



zum Hahnschenkelpass

Aus dem Konstanzer Tal ansteigend verläuft die Strecke der ehemaligen Salzstraße ab Knechtenhofen über Buflings in Richtung Hahnschenkelpass hinauf. Bei den Fuhrleuten berüchtigt, rang er diesen bei seiner Überwindung doch alles ab. Mensch und Tier war gefordert und immer wieder auch der göttliche Beistand gefragt. Noch heute zieren Votivgaben in Form von Hufeisen die Sakristeitüre der Stephanskapelle in Genhofen, welche direkt an der Salzroute und unweit der gefürchteten Passhöhe gelegen ist.

Gerade die Innenausstattung der Kapelle ist bemerkenswert. Symbolreich entführt sie in die Zeit ab dem 15. Jahrhundert, jedoch ohne den Sinn und Zweck der meisten Zeichen deuten zu können. Was jedoch sofort ins Auge springt, sind die vielen Darstellungen des Wappens des Adelsgeschlechts der Montforter. Die meist in 'der Nähe' der Wappen stehenden Jahreszahlen dürften somit wohl mit Ereignissen das Herrscherhaus betreffend in Verbindung gebracht werden.



Simmerberg - die letzte Rodstation vor Lindau

Über Burkatshofen in stetem Gefälle hinab nach Simmerberg - der letzten Rodstation vor erreichen der Bodenseestadt Lindau. Simmerberg gelangte 1523 aus dem Montforter Besitz an das Haus Habsburg. Der Simmerberger Salzstadel wurde im Laufe des Dreißigjährigen Krieges niedergebrannt. 1639 wurde an der selben Stelle das Haus des Salzfaktors errichtet.



von Simmerberg nach Lindau

Von Simmerberg führte die letzte Etappe hinab nach Weiler und weiter nach Scheidegg. In leichtem Auf und Ab über Weienried zum letzten schwierigen Abschnitt - dem Ruckensteig. Von Ruckensteig - hier befand sich eine Zollstation - annähernd 300 Höhenmeter hinab nach Hub und Leutenhofen, von dort über Hörbranz nach Lindau.





verwendete Literatur:
  • Die Salzstraße nach Westen, Bernhard Strolz
  • Reutte - 500 Jahre Markt 1489 - 1989, versch. Autoren
  • Außerfern, Richard Lipp
  • Erlebnis Außerfern, Hannes Gasser
  • Der Bezirk Reutte - Das Außerfern, versch. Autoren
  • Heimat Ausserfern, Ferdinand Fuchs
  • diverse in den Kirchen entlang der Strecke aufgelegte Führer (Infohefte, versch. Autoren)
  • Das Tannheimer Thal, August Kübler Dr.

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