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Kempter Wald


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Kempter Wald
die Waldkapelle im nördlichen Kempter Wald

Gruppe
Sagen und Mythen
Höhe
970 m
Talort(e)
Kempten, Görisried

   


T O U R E N I N F O



Zahlreiche Sagen ranken sich um das großflächige Waldgebiet östlich von Kempten, welches vor allem durch die Häufigkeit von Findlingen aus der letzten Eiszeit Aufmerksamkeit erregt. In den weitläufigen Moorflächen, die einen großen Teil des Kempter Waldes ausbilden, sollen über 4000 der einst vom Gletscherstrom herangetragenen Felsblöcke sich im Wald verteilt finden. Den bekanntesten Felsblock unter ihnen, bildet der sogenannte Dengelstein.


der Dengelstein


Gedenktafel am Dengelstein


die Waldkapelle und das Alte Jägerhaus

Bad Sulzbrunn bei Sulzberg von Gottlob Theuerkauf
das Heilbad Bad Sulzbrunn
Der überdimensionale Nagelfluhbrocken mit einem Volumen von rund 1400m³ und einem Gewicht von etwa 3700 Tonnen, war vor rund 18000 Jahren - also während des Abklingens der letzten Eiszeit - als Felssturz von der Westflanke des Rottachbergs auf die Oberfläche des vorbeiziehenden Illergletschers niedergegangen. An der Oberfläche der Eismassen, welche sich langsam gegen Norden schoben, wurden die Felsbrocken mitgetragen. Solange, bis das Eis gänzlich abschmolz und die Brocken letztlich als erratische Blöcke in der Gegend herumliegen ließ.

In der Sage wird berichtet, der Tod lasse sich von dem Dengeldrachen seine Sense schärfen, wenn er wieder ein großes Loch in die allzu streitsüchtige Menschheit mähen wolle. Die Alten fürchteten deshalb das Geräusch der ihnen bekannten Dengelschläge vom Kempter Wald her. Wussten sie doch, dass dem Geräusch bald ein großes Sterben durch Hunger oder Pest folgen oder ein Krieg über die Gegend hereinbrechen würde.

Am Dengelstein selbst fand man die Überreste einer mutmaßlichen Wall- und Grabenanlage, weshalb dieser markante Ort als uralte Kultstätte oder als heiliger Hain angesehen wird. Genaueres ist aber nicht bekannt, da der Bereich um den Dengelstein niemals archäologisch erforscht wurde. Fraglich ist auch die Namensverbindung als Keltenstein. So sollen zu Zeiten der Kelten Pferde im Feuer am Dengelstein geopfert worden sein, wobei dieses Opferritual vermutlich auch von den späteren Alemannen praktiziert wurde und diese sodann den Felsbrocken als Keltenstein bezeichnet hätten, woraufhin der Gau in fränkischer Zeit seinen Namen von diesem Block erhalten haben soll.

Die sogenannte Bezeichnung "Fliehburg" nahe Bodelsberg, dürfte hingegen aus einem Irrtum resultieren, denn einst legten die Fürstäbte von Kempten im Kempter Wald etwa 80 Fischweiher an um gerade in der Fastenzeit die Versorgung mit ausreichend Fisch aus dem Nahbereich zu gewährleisten. Bereits 1373 wurde ein bestehender Saumpfad durch den Wald zu einer befahrbaren Straße mit Zollstätte am Verlauf einer alten Römerstraße ausgebaut. Heute quert der Jakobsweg den Kempter Wald und führt an der mitten im Wald stehenden Waldkapelle vorbei.

Ganz im Süden des Kempter Waldes, im Grunde eigentlich schon außerhalb seiner Einzugsfläche, findet sich das Jodbad Sulzbrunn (bei Sulzberg), welches Mitte des 19. Jahrhunderts noch als "Kemptener Waldquellen" betitelt wurde. Bereits zu jener Zeit wurden die Römer als erste Nutzer der Quellen angenommen. Ein weiteres Gutachten zu Beginn des 20. Jahrhunderts setzte gar die Kelten der frühen Hallstattzeit als Erschließer der Quellen ein. Jedenfalls habe der Literatur zufolge ein Gastwirt von Oberzollhaus unter einer massiven Struma, auch bekannt unter der Bezeichnung "Kropf", gelitten. Nach dreimonatigem Trinken des Kemptener Waldwassers sei dieser Kropf vollständig verschwunden und auch nie wieder aufgetaucht. Heute gelten alle diese vermeintlichen Fakten jedoch als umstritten.

Die ältere Literatur berichtet von einem prähistorischen Stollenbau, mehreren Münzfunden und einer Ansammlung von alt anmutenden Tonscherben. Nachforschungen aus jüngster Zeit geben hingegen ein nüchternes Bild wieder. So sind etwa der staatlichen Münzstelle in München keine solchen Münzen von Sulzbrunn bekannt und auch die aufgefundenen Scherben seien aus archäologischer Sicht "nichts Außergewöhnliches". Letztlich verdichten sich die Hinweise, dass der Inhaber des Kurbades aus der Zeit Mitte des 19. Jahrhunderts - Hofrat Dr. Schott aus Frankfurt - schlicht ein "römisches Bad wollte". Ob es sich letztlich um einen Irrtum oder einfach nur eine Werbelüge handelte sei dahingestellt, der Erfolg blieb jedoch nicht aus und das Bad erlebte in der Folgezeit eine Blüte und erfuhr mehrere Um- und Ausbauten. Bis zum Ersten Weltkrieg florierte der Kurbetrieb und auch nach Kriegsende konnte das Heilbad nicht über Besuchermangel klagen. Erst mit dem Zweiten Weltkrieg kam der Betrieb des Heilbades mit der Umfunktionierung zu einem Internierungslager für immer zum Erliegen.







Im Senkmoos nördlich von Bodelsberg soll der Sage nach eine Stadt in der Zeit von einem Karfreitag zum andern versunken sein. Die Bewohner konnten nicht fliehen, sie waren festgebannt und sahen ein Jahr lang ihr schreckliches Ende vor Augen. Das sei die Strafe gewesen für ein Vergehen gegen die Erhabenheit des Leidens und Sterbens Christi.



Auf einer Waldwiese im Kempter Wald mähte einmal einer von Betzigau mit seinem Weib. Die war eine böse Person und alle naselang verlangte sie von ihrem Mann, dass er ihr die Sense schärfe. Und wenn er meinte, er habe sie ja gerade gedengelt und sie schneide schon noch, dann schlug ihn das Weib und schimpfte ihn dermaßen, dass die Tiere des Waldes Mitleid hatten mit dem armen Mann. Einmal hatte der Mann die Sense auf den Felsen gelegt und dengelte laut zum Keifen seines Weibes. "Wenn du nur glei an dem Stoi agschmiedet wärsch und leabeslang denglá miásch, du Draché!", sagte er dabei leise vor sich hin. Sogleich ging dieser fromme Wunsch in Erfüllung: Das Weib war ein wüster Drache, der mit einem Arm an den Dengelstein geschmiedet war. In den Krallen dieses Armes hielt er eine Riesensense, die er fortan mit einem großen Hammer dengeln sollte. Aber was der Drache mit einem Schlag zurecht brachte, das verdarb er mit dem nächsten wieder, und so war für die ganze Arbeit kein Ende abzusehen. Noch bis vor kurzem meinten die Leute, vom Dengelstein her stets gleichbleibende Dengelschläge zu hören.

Viele deuteten dies als böses Omen, denn sie meinten Gevatter Tod daselbst lasse sich vom Dengeldrachen seine Sense richten, wenn er "ein großes Loch in die streitsüchtige Menschheit mähen wolle". Und wenn sie das Dengeln hörten, sahen sie ein großes Sterben kommen. Vielleicht durch Hunger oder auch die Pest?







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