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Via Claudia Augusta - Die Straße





Die Straße zwischen Meran und Augsburg


Die Strecke von Süd nach Nord in Bildern (Die Bilderreihe wird im Zuge eines kleinen Projektes stetig erweitert)



im Vinschgau


Die Bezeichnung der heute als Vinschgau bekannten Talschaft als westlicher Teil Südtirols wird von dem keltischen Volksstamm der Venosten abgeleitet (italienisch Val Venosta), welche zeitlich schon vor der römischen Heerstraße hier siedelten. Etwa am Tartscher Bichl bei Mals oder am Ganglegg oberhalb von Schluderns wurden Siedlungsspuren entdeckt und freigelegt, welche in ihren Anfängen bis in die Jungsteinzeit zurückreichen. Das am Tartscher Bichl ausgegrabene rätische Haus ist vermutlich Teil einer Stadtsiedlung aus der Zeit von etwa 400 v. Chr. welche aus mindestens 80 Gebäuden bestand.



von Nauders nach Landeck


Bereits lange vor den Römern nutzen bronzezeitliche Gruppen die sonnenverwöhnten, südseitig ausgerichteten Terrassen oberhalb des Beckens von Landeck als Siedlungsraum, Funde aus dem Zeitraum zwischen 1800 bis 1200 v. Christus belegen dies anschaulich. Zeitgenössische Autoren nennen den illyrischen Stamm der Breonen als die in den Bergtälern lebende Volksgruppe.

Etwa im 4. und 5. Jahrhundert setzt entlang des Straßenzuges auch in Landeck die Christianisierung ein. Ein Taufbecken aus der Zeit um 430 nach Christi Geburt in der heutigen Pfarrkirche Unserer Lieben Frau Himmelfahrt belegt dies anschaulich.




der Brandopferplatz am Piller Sattel

die Pillerhöhe


Schon in der Bronzezeit führten die Wege und Saumpfade über den Piller Sattel als Abkürzung über Wenns im Pitztal, da das Inntal bei Fließ nur schwer passierbar war. Erst mit dem römischen Ausbau der Pfade zur Kaiserstraße Via Claudia Augusta wurde der Straßenverlauf in Richtung Tal verlegt.

Der Brandopferritus am Opferplatz sah vorwiegend die Opferung von Schafen, Ziegen und Rindern vor. Dabei wurden jedoch nur die fleischarmen Teile der Tiere verbrannt, der fleischreiche Rest wurde wohl von den Festteilnehmern verzehrt. Offenbar herrschte die Vorstellung vor, dass das Feuer die Weihegaben entmaterialisieren und als Rauch zu den Göttern getragen würde. Dabei hat sich der Ritus über die 2000-jährige Nutzung des Opferplatzes mehrfach geändert.

Lagen zu Beginn noch Tiere auf dem Opferaltar, wandelte sich die Opfergabe später hin zu Schmuck, Trachtenbestandteilen oder Waffen. Teilweise wurden Keramiken oder Waffen auch rituell zerstört und in flachen Gruben im Bereich des Festplatzes deponiert. Viele Sachopfer wurden in die um den Opferplatz verstreut existierenden Felsspalten geworfen. Während der Römerzeit wurden bald nur noch Wertopfer in Form von Münzen in die Felsspalten eingebracht. Auch Votivschilde oder Trankopfer in Keramikschälchen wurden Göttern als Opfer dargebracht.

Gegen Ende des 4. Jahrhunderts wurde mit der Ausbreitung des Christentums der Opferplatz am Piller aufgelassen und geriet daraufhin in Vergessenheit. Erst im Jahr 1991 hatten Kassian Erhart und Franz Neururer die alte Kultstätte wiederentdeckt.



von Landeck nach Imst


Von Riefenal herab leitet die Trasse als lange Hangtransversale nach Patscheid, einem Wiesenflecken zwischen dem Abhang des Zammerbergs und dem Inn. Heute kaum mehr erkennbar, senkt sie sich in regelmäßigem Gefälle bis vor den Burgfelsen, wo sich heute die Ruine der Kronburg erhebt. Dort nördlich unterhalb senkrecht abfallender Felsschichtungen ist noch ein Teilstück mit Karren-Geleisen sichtbar. Es treten hier Rillen aus der römischen Kaiserzeit, als auch solche aus dem Zeitraum des Mittelalters auf. Jene mittelalterlichen Spuren wurden zudem noch mit Trittstufen versehen.



zwischen Imst und Nassereith


Vom Imster Ortskern ausgehend der heutigen Thomas-Walch-Straße gegen Nordosten folgend, dürfte sich die antike Trasse etwa im Bereich des Radweges durch die Felder von Tarrenz, am kleinen Brenjursee vorüber, in Richtung Strad gezogen haben. Einen eindeutigen Hinweis zum Alter des Ortes Tarrenz birgt dabei der Ortsname selbst. Abgeleitet aus dem romanischen Torrens, würde daraus in die deutsche Sprache übersetzt der 'wilde Bach'. Der wilde Bach ist dabei eindeutig am Ausgang der Salvesenklamm zu suchen. In den Fluren südlich von Tarrenz ist von der einstigen Straße nichts mehr auszumachen, erst in Strad (abgeleitet aus dem lateinischen via strata, was soviel wie Pflasterstraße bedeutet) dürfte man sich wieder mit relativer Sicherheit auf der Altstraße befinden.

Seit 2010 werden auch archäologische Forschungen im Strader Wald betrieben. Die freigelegten Funde lassen den Schluss zu, dass es sich bei den direkt an der Via Claudia Augusta angrenzenden baulichen Überresten einst um eine Gaststätte (tabernae) gehandelt hat. Die Münzfunde lassen eine zeitliche Einordnung der Nutzung des Gasthauses zu und verlegen diese in das 2. bis in das 3. Jahrhundert nach Christi Geburt. Vorwiegend wurden an der 80m² umfassenden Fläche Öfen (sehr wahrscheinlich zum Backen des Brotes), viele Scherben von hochwertigem Gebrauchsgeschirr (Terra Sigillata-Gefäße sowie einzelne Exemplare von Terra Nigra-Schalen) und eine Vielzahl an Pfostenlöchern aufgefunden.



vom Fernsteinsee zum Weißensee (Fernpass)


Der von Nassereith herleitende Straßenverlauf schwenkt unterhalb der mittelalterlichen Burg Fernstein orografisch rechts gegen Nordost und zieht am Ufer des Fernsteinsees knapp oberhalb des heutigen Forstweges in Richtung Samerangersee. In einem weiten Bogen leitet die Trasse um den See und in mäßiger Steigung als Hangweg hinauf zu der heutigen Fahrbahn. Bei der Ausweiche bzw. dem Parkplatz

Abbildung einer Hipposandale wie sie im Gemeindegebiet von Biberwier aufgefunden wurde
an der Brücke über den vom Schanzlsee herabstürzenden Bach ist die Trasse eigentlich nicht mehr auszumachen. Erst weiter oben, im südexponierten bewaldeten Hang tritt sie als Hohlweg wieder in Erscheinung. Abermals die neuzeitliche Fahrbahntrasse querend zieht die Altstraße gegen Osten in Richtung dem alten Fern hinauf.

Geleisrillen werden an einer Felsplatte sichtbar, welche aber auf Grund des Radabstandes von 90 cm in die Zeit der mittelalterlichen Nutzung fallen. Mit zunehmender Höhe geht der Hangweg in einen Hohlweg über, einige Meter oberhalb ist eine schwächer ausgeprägte, zweite Trasse zu erkennen. Diese zweite Trasse fällt allerdings auch in den Zeitraum der Nutzung als Salzstraße. Kurz vor Erreichen der römerzeitlichen Passhöhe gräbt sich der Hohlweg immer tiefer in den Hang. Teilweise sind hangseitige Stützmauern sichtbar und kurzzeitig verlaufen recht steile Kehren über eine Geländekante.

Von der Anhöhe des sogenannten 'Alten Fern' hinab sind im Grunde keine offensichtlichen Spuren der Altstraße mehr erkennbar. Jedoch wurde im Jahr 2003 eine Hipposandale (Pferdehufeisen) aus römischer Zeit aufgefunden und gibt so indirekt einen Hinweis auf deren Existenz.

Abschrift der Infotafel am "alten Fern"
Auch heute noch lauern auf den Alpenpässen Gefahren. Denken wir nur an Lawinenabgänge im Winter. Es ist auch einiges an Kraftanstrengung notwendig, wenn man sie sich aus eigener Kraft erarbeitet. In der Römerzeit waren die Strapazen und Gefahren noch größer und zahlreicher. Die Reisenden mussten mit Felsstürzen, überraschenden Gewittern, Muren, ... rechnen. Ein Reisebericht erzählt von herabstürzenden Eismassen, die ganze Reisegesellschaften in jähe Schluchten stürzten. Die Reisenden waren sich der Gefahren bewusst und waren dementsprechend froh, wenn sie oben angekommen waren. Sie dankten den Göttern und baten gleichzeitig um einen unfallfreien Abstieg - Merkur, den wendigen und listenreichen Gott des Handels, Herkules, der auf langen Wanderungen durch seine stetige Hilfeleistungen zum Beschützer der Passanten auf allen Straßen wurde und Epona, einer keltischen Göttin, die immer zu Pferd dargestellt wird. Den Christopheruskapellen an unseren Straßen vergleichbar entstanden auf allen Passhöhen Heiligtümer, an den Votivgaben wie Münzen, kleine Statuetten, Votivtafeln, ... zurückgelassen wurden. Auch am Fernpass hat sich mit ziemlicher Sicherheit ein Heiligtum befunden, Archäologen haben danach gesucht, sind bisher aber nur an einigen Orten auf Münzen gestossen...




vom Weißensee nach Biberwier


Heute sind lediglich noch im Bereich des Weißensees eindeutige Spuren (wenigstens einer mittelalterlichen Nutzung) zu erkennen. Im Bereich Kohlstatt und entlang des heutigen Lärchenwegs finden sich keine offensichtliche Hinweise mehr, die auf die alte Römerstraße oder die Salzstraße hindeuten würden. Ebenfalls sind im Siedlungsgebiet von Biberwier diesbezüglich keine Zeugnisse mehr ersichtlich.

Geleisstraßen im Außerfern


An manchen Stellen der Via Claudia finden sich Geleisstrassen. Allerdings sind diese Geleisprofile oft nicht mit den römischen Wagen in Verbindung zu bringen, da der Spurbreitenabstand zu gering ausfällt. Klaus Wankmiller schreibt dazu in seinem Beitrag "Römische Straßenspuren im Außerfern": "..., die im Gegensatz zum mittelalterlichen Rillenabstand von genau 1 m eine Spurweite von 107 cm aufweisen...".Somit ist die in Biberwier aufgefundene Geleisstrasse am sogenannten "scharfen Eck", wie auch weiter unten erwähnt, nicht auf das Zeitalter der Römer zurückzuführen. Vielmehr wird diese Wagenspurvertiefung im Fels ein Hinweis auf die mittelalterliche Nutzung bedeuten.

Im Bereich Katzenmühle / Waldrast (bei Ehenbichl) habe es ebenfalls Spurrillen gegeben. Jedoch dürften auch diese heute nicht mehr sichtbaren Spuren viel eher mit der mittelalterlichen Nutzung in Verbindung zu bringen sein.


Mehrere Holzgebäude einer römischen Straßen- und Poststation (Pferdewechselstation, römische Reichspost [cursus publicus]), eine sogenannte mansiones, wurden im Laufe archäologischer Grabungen im Bereich zwischen dem Ortsteil Schmitte und dem Ortszentrum von Biberwier (Baubeginn wohl um 14 bis 37 n. Chr.), direkt am Verlauf der Via Claudia Augusta gelegen, freigelegt. Anhand der dort aufgefundenen Gebrauchsgegenstände konnten sich Handels- und Kulturbeziehungen zu Oberitalien, Südfrankreich, dem Rheinland und sogar bis in den Raum der Ägäis nachweisen lassen.

Im Falle der Station in Biberwier handelte es sich aber wohl um eine der kleineren Anlagen, welche in erster Linie dem Reit- oder Zugtierwechsel diente. Die größeren römischen Raststationen boten den privilegierten Reisenden darüber hinaus auch recht komfortable Beherbergungsmöglichkeiten, großteils mit Therme und nicht selten mit einem kleinen Heiligtum ausgestattet.



Durch das Lermooser Moos


Der Prügelweg (Bohlenweg) durch das Lermooser Moos veranschaulicht deutlich, dass die Straßenbauer aus römischer Zeit nicht versuchten eine Moorfläche zu umgehen, sondern mit großem bautechnischen Wissen eine 1,5 Kilometer lange Trasse schnurgerade durch das Moos anzulegen vermochten. Mit einer Trassenbreite von bis zu 8 Metern und einem etwa 1,7 Meter tiefen Fundament konnte auf ihr eine Legion problemlos durch die Moorlandschaft ziehen.

Speziell die im Moor erhaltenen Spuren wie Pollen oder Überreste von Kleinlebewesen und anderer unter Luftabschluss in die Torfschichten eingebetteten Artefakte geben Aufschluss über die Art und den Zeitpunkt menschlicher Landnahme und Landnutzung. So wurden beispielsweise Brandrodungen und erste Ackerflächen in der weiteren Umgebung für den Zeitraum ab etwa 1500 Jahren vor Christus durch die Pollenanalysen belegt.

Bis zum heutigen Tag ist dieses Straßendenkmal über die Grenzen Tirols hinaus einzigartig. In mehreren Grabungsabschnitten wurde die Trasse seit 1993 genauer erforscht und feldarchäologisch untersucht. Die früher für römischen Ursprungs gehaltene Geleisstrasse am sogenannten "Scharfen Eck" bei Biberwier konnte aufgrund ihrer Spurbreite von 1 Meter in das Spätmittelalter bzw. die frühe Neuzeit eingestuft werden.



Ehrwald vor 2000 Jahren


teilweise übernommen von der Infotafel "die römerzeitlichen Funde" in Ehrwald
Seit 1954 wurden beim Bau von Privathäusern mehrere römerzeitliche Gräber entdeckt. Den archäologischen Untersuchungen zufolge, handelt es bei den Bestattungen um jene der sogenannten Heimstettener Gruppe. Als Grabbeigaben dominieren bei dieser Gruppe gerade in den Frauengräbern massive Halsreifen, Armreifen, Sprossen-Gürtelhaken, große und kleinere Fibeln. Gerade die zeitlich begrenzte Siedlungstätigkeit dieser Heimstettener Gruppe entlang der römischen Hauptverkehrsachse in der ersten Hälfte des 1. Jahrhunderts nach Christus lässt ein kurzes Wiederaufflammen keltischer Gebräuche und Riten erkennen.

Im angenommenen Siedlungsbereich in Ehrwald konnte sich diese Gruppe nach aktuellem Forschungsstand jedoch nur eine oder maximal zwei Generationen halten. Danach fehlen Hinweise auf eine Siedlungskontinuität in diesem Gebiet.






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