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Via Claudia Augusta - Die Straße




Katzenmühle bis Breitenwang


Der ursprüngliche Verlauf der Via Claudia Augusta im Bereich der Katzenmühle verläuft als auffällige Rampe am Nordosthang oberhalb der Gebäude der "neuen" Katzenmühle durch den Hang. Eine Begehung der Rampentrasse zeigte einen mehr oder weniger durchgehenden Verlauf zwischen der Ehrenberger Klause bis hinaus in den Bereich des Reuttener Drei-Tannen-Stadions. Lediglich einige kurze Teilstücke im Steilhang sind im Laufe der Jahrzehnte? bzw. Jahrhunderte? abgerutscht.

Ein auffälliger Damm leitet von der Katzenmühle gegen das nördlich liegende Reutte und dem Drei-Tannen-Stadion, welcher möglicherweise dem Verlauf der Via Claudia entsprechen könnte. Durch die baulichen Maßnahmen im Umfeld des Alpenbades, gerade in den letzten Jahren, wurden sämtliche antike Spuren überbaut oder verwischt. Auch im Gemeindegebiet von Breitenwang ist der Verlauf durch Überbauung nicht mehr auszumachen. Zahlreiche Münzfunde deuten, gerade aufgrund der massiven Häufigkeit an dieser Stelle, auf eine römische Straßenstation im Bereich der Breitenwanger Kirche hin.




zwischen Kniepass und Kratzer


Im Bereich des Kniepasses soll früher laut einschlägiger Literatur eine etwa 100 Meter lange Geleisstrasse sichtbar gewesen sein. Eine erste Erkundung im Herbst 2015 brachte keine Ergebnisse bzw. Erkenntnisse über deren genauen Verlauf. Aus dem Werk von Walde und Grabherr "Via Claudia Augusta und Römerstraßenforschung im östlichen Alpenraum" konnte ich zwischenzeitlich aber entnehmen, dass dieser Abschnitt heute gar nicht mehr sichtbar ist. Der historische Übergang über den Felsriegel des heutigen Kniepass verlief meines Erachtens in römischer Zeit dort, wo noch heute die baulichen Überreste der sogenannten "Kniepass-Sternschanz", also nordöstlich des heutigen Straßenverlaufes, zu finden sind. Im Werk von Walde und Grabherr wird davon ausgegangen, dass der Verlauf knapp oberhalb der neuzeitlichen Straßentrasse noch in das Auental schwenkt.



Direkt unterhalb der ruinösen Reste quert ein ausgetretener Weg leicht gegen Westen fallend den Hang. Kurz vor dem Damm des heutigen Straßenverlaufes erreicht er die Ebene und verläuft nördlich von Oberpinswang, wobei er sich hier teilweise mit dem Straßenkörper der Gegenwart deckt. Weiter gegen Nordwesten, hindurch zwischen dem Pinswanger Judenbichl und dem südwestlichen Ausläufer des Höllentalschrofens, am heutigen Gasthof Schluxen geradlinig im Südwesten des Gebäudes vorüber. Am nördlichen Hang entlang bis unter die auffällig rote Wand des Burgschrofens bei Unterpinswang. Direkt unter den Felsen versteckt sich die ehemalige Höhlenburg Schloss Loch, von der auch angenommen wird, dass sie bereits in der Steinzeit genutzt wurde.

In der Ebene unter der Felswand findet sich direkt neben dem mutmaßlichen Verlauf der Via Claudia auch eine längst überwachsene Einfriedung(?) in Rechteckform. Lange wurde diese für eine keltische Viereckschanze gehalten, jedoch haben dendrochronologische Untersuchungen eine zeitliche Zuordnung in das Mittelalter festgestellt. Allerdings, so wird auch vermutet, könnten ältere, darunterliegende Befunde auf eine römische Straßenstation, eine mansio, hindeuten.



Als weiteres, natürliches Hindernis stellte sich bei Unterpinswang der Kratzer bzw. der Stiglberg in den Weg. Eine wegähnliche Trasse führt direkt unter den Felsen des Burgschrofens in den Sattel zwischen die zuvor genannten Erhebungen.
Dort wo der Sattel sich wieder absenkt, verläuft eine heute verwachsene Spur hinunter zu einer Kluft, welche auf einem relativ alt anmutenden Steiglein nördlich des Kratzers zum Lech hinab führt. Dieser Steig scheint aber, zumindest seinem heutigen Charakter nach, lediglich für Fußtruppen und darüber hinaus maximal noch für sehr geländegängige Pferde geeignet.
Selbst mit einem leichten einachsigen Wagen, wäre diese Passage wohl kaum zu bewältigen gewesen, ohne sich und die Ladung dabei ernsthaft in Gefahr zu bringen. Der Füssener Heimatforscher Magnus Peresson vermutet allerdings, dass sich in diesem Bereich in der Zeit nach der Nutzung durch die Römer ein kleinräumiger Felssturz ereignet haben könnte, welcher die antike Trasse in diesem Bereich zerstört hat. Tatsächlich findet sich unterhalb des Hanges eine Ansammlung an verstreut im lichten Wald liegenden Felsbrocken, welche diese Theorie stützen würden.

Eine mögliche Ausweichstrecke könnte sich auf den ersten Blick über den Stiglberg geboten haben. Es lassen sich an der Scheitelhöhe Fahrrillen ausmachen, welche jedoch zum Teil von Baggerarbeiten der letzten Zeit beschädigt oder gar zerstört wurden. Jedenfalls führt diese Trasse in einer wesentlich angenehmeren Steigung hinauf bzw. wieder hinab. Im Herbst 2008 durchgeführte baubegleitende archäologische Untersuchungen an diesem Übergang ergaben jedoch keinerlei Hinweise, dass es sich hierbei tatsächlich um die Trasse der Via Claudia Augusta handeln würde.

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Füssen


Als die Römer erstmals in das Land um Füssen kamen, gab es in der heutigen Stadtnähe mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit schon eine Siedlung.
Manche vertreten sogar die Meinung, dass sich das legendäre Damasia nicht wie bis noch vor kurzem angenommen auf dem Auerberg befand. Vielmehr wird in diesen Kreisen das Ur-Füssen selbst für die sagenumwobene Keltenmetropole der Likatier gehalten.

Rätselhaft bleibt aber das völlige Verschwinden der Bezeichnung Damasia. So blieben die von Strabo weiters genannten Städte Brigantium (Bregenz) und Kambodunum (Kempten) bis in die Gegenwart erhalten. Als eine Möglichkeit für das völlige Erlöschen des vorrömischen Damasia sehen einige die komplette Zerstörung durch die Römer. Ein Wiederaufbau wäre dann vermutlich unter einem römischen Namen erfolgt. Für Füssen wäre das fauces oder nachmalig foetibus, was so viel wie Schlund bedeutet. Als Schlund wurde die Schlucht des Lechfalles gesehen.

Der genaue Verlauf der Strecke ist noch immer unklar. Schon seit Beginn des 20. Jahrhunderts wurden erste Theorien zum Verlauf der einstigen Kaiserstraße aufgestellt und das ganze Jahrhundert hindurch immer wieder neue verfasst. Von Eberl über Knussert bis hin zu Peresson gab es mannigfaltige Versuche, die Trassierung im Bereich des Lusalten zu klären. Demzufolge hätte man nach Eberl (1931) den Lech knapp oberhalb des Lusalten (so wird der Lechfall bei der einheimischen Bevölkerung zum Teil heute noch genannt) bei Ziegelwies überschritten. Eindeutige Spuren als Beleg für diese Behauptung konnte er jedoch nicht finden. Knussert wähnte 1955 den Verlauf am orografisch linken Lechufer (wie auch 2009 Peresson), ähnlich dem heutigen Ländeweg. Die Probleme an den Engstellen und steilen Uferbereichen vermochte aber auch er nicht eindeutig zu lösen und es blieben dabei viele Fragen offen.

Tatsächlich fanden sich am Beginn des Anstiegs am Ländeweg jedoch Spuren einer römischen Siedlung. Auch bei Bad Faulenbach finden sich Bauten als auch Begräbnisstätten aus römischer Zeit. Es wird allerdings eine Art Verkehrsdreieck zwischen der Route der Via Claudia Augusta als auch der Nebenstraße in Richtung Cambodunum angenommen, welche der Strecke des heutigen Ländewegs hinaus nach Vils entspräche.

Matthias Thalmair sieht die Römerstraße am rechten Lechufer bei Ziegelwies ansteigend und den Höhenzug westlich des Hutlersberges an einer Einsattelung passieren. An der Nordflanke im Bereich des Magnusparks und des Kirchenbaues Unserer Lieben Frau am Berg senkt sich diese wieder zum Lech hin ab. Dort hat es nach Auffassung Thalmairs auch eine hölzerne Brücke über den Fluss gegeben, welche von einem Kastell auf dem heutigen Schlossberg aus überwacht werden konnte.

Erst mit dem Eintritt in die Reichenstraße und der Verlängerung in die Augsburger Straße kommt die Wissenschaft wieder damit überein, sich auf einer Straße der römischen Kaiserzeit zu befinden.



Forggensee


Einst eine ausgedehnte Wildflusslandschaft, wurde 1950 mit dem Bau eines Wasserkraftwerkes begonnen. 1952 wurde die Stauung gestartet und 1954 war das Bauprojekt fertig gestellt. Dabei wurden dutzende Wohnhäuser und Bauernhöfe aufgelassen und zumeist in den umliegenden Orten wieder aufgebaut. Ganze Ortsteile wurden geflutet, darunter auch der namengebende Weiler Forggen. Mit auf den Grund des neuen Sees gesunken sind aber auch große Abschnitte der römischen Via Claudia und mehrere römerzeitliche Bauten wie die römische Siedlung Dietringen, ein Depotfund im Umfeld einer möglichen Rast- (mansiones), und Pferdewechselstation (mutationes) am Ausgang des Tiefentals, sowie ein Brandopferplatz aus jener Zeit am östlichen Ur-Lechufer.
Dabei hat sich herausgestellt, dass in diesem Bereich kurzzeitig auch eine frühkaiserzeitliche Handelsstation bestanden hatte. Bei den hier zum Verkauf stehenden Gütern dürfte es sich allem Anschein nach um Textilwaren gehandelt haben. Der Handelsposten überdauerte allerdings höchstens eine Zeitspanne von einer oder zwei Generationen.

Am nördlichen Ende des Forggensees steigt die antike Staatsstraße dann aus den Fluten des heutigen Stausees und passiert die Mangmühle, wo sich zur Zeit der Römer ebenfalls eine Ansiedlung befunden haben dürfte.



zwischen Roßhaupten und Schongau


Durch leicht kupiertes Gelände setzt die Trasse ihren Weg nach Norden fort, zwischen dem Hartenberg und dem Egelmoosner Filz hindurch, wo die alte Trasse vermutlich noch als kurzer Wall zwischen zwei Bäumen ersichtlich ist. Bei Egelmoosen etwas flacher als der heutige Radweg und weiter nördlich ausholend schneidet sie etwa 150 Meter weiter im Norden der kleinen Hofgruppe die gegenwärtige Zufahrtsstraße und leitet etwas oberhalb des Asphaltsträßchens in Richtung Nordost um sich als geradlinige Spur bis Lechbruck hinab als der heutige Radweg hin zu ziehen.



Gewerbegebiet am Auerberg


Abschrift der Infotafel bei Bernbeuren
"Ganz ehrlich, wären Sie auf die Idee gekommen, daß die Römer ausgerechnet oben am Auerberg, einige Kilometer abseits der Via Claudia ein Gewerbegebiet errichteten. Die Gewerbesiedlung am Kirch- und Schloßberg ist im süddeutschen Raum einzigartig. Sie war von einem 1700 Meter langen Erdwall umgeben und umfasste mehrere Gruppen schmaler, länglicher, straßenseitig offener Werkstattbauten in typisch römischer Holzbauweise. Von einem deutlich größeren Gebäude nimmt man somit an, dass er eine kleine Fabrik war. Hölzerne Quellfassungen und Wasserbecken, die ebenfalls bei Grabungen zu Tage kamen, gehörten zum Wasserversorgungssystem, das als Energiequelle aber auch zur Kühlung notwendig war.

Zumindest 8 Töpfereien produzierten Geschirr und Vorratsgefäße. Die entdeckten farbigen Rohglasbarren sind ein Hinweis auf Glasverarbeitung. Sicher weiß man, dass in der Gewerbesiedlung Eisen und Bronze verarbeitet wurde. Das eindrucksvollste unter den Fabrikaten "Made am Auerberg" sind sicherlich die bronzenen Spannbuchsen für Katapulte, für die man die Gußformen gefunden hat. Noch rätselhafter wie die Lage des Gewerbegebietes ist der Grund für seine planmäßige Räumung bereits knapp 3 Jahrzehnte nach Gründung. Die Erklärung dürfte in ihrem militärischen Charakter zu suchen sein."


von Schongau nach Epfach (Abodiacum)


In Altenstadt im Nordwesten von Schongau veranschaulicht eine Rekonstruktion der Via Claudia am gleichnamigen Platz den damals üblichen Straßenbau, welcher sich über Jahrhunderte kaum veränderte und so auf die Bedeutung der römischen Ingenieurskunst hindeutet.

Im Bereich zwischen Schwabniederhofen und Kinsau ist von der antiken Trasse nichts mehr auszumachen. Die moderne B17 dürfte die Substanz der Römerstraße weitestgehend überdecken.

Abodiacum war spätestens seit 14 v. Chr. eine römische Straßenstation und im späteren Verlauf ein bedeutender Straßenkreuzungspunkt der Via Claudia selbst (Nord-Süd-Achse) und der Querverbindungsstraße zwischen Brigantium (Bregenz) und Iuvavum (Salzburg) welche über Cambodunum (Kempten) führte. Etwa 80 römische Soldaten und Beamte waren ständig zum Schutz des Lechüberganges auf dem heutigen Lorenzberg postiert. Unter ihnen befand sich auch ein gewisser Claudius Paternus Clementianus, ein Nachfolger des Pontius Pilatus, tätig als höchster Amtsträger und Prokurator in Judäa aber auch als römischer Statthalter im Noricum des Jahres 125.



Augsburg (Augusta Vindelicorum)


Der Augustusbrunnen ist dem Kaiser Augustus gewidmet, der als Gründer und Wohltäter der Stadt Augsburg gilt.
Tatsächlich entstand der Ort aus einem römischen Militärlager (castra), in dem Truppen für die Grenzsicherung des Limes und des Limes-Hinterlandes im Kampf gegen die Germanen seit 15. v. Chr. stationiert waren. Als Nachschubdepot wurde es über die Via Claudia versorgt.
Als militärisches Lager gegründet, entwickelte sich Augusta Vindelicorum rasch zu einer der größten Siedlungen nördlich der Alpen. Schon 95 n. Chr. wurde der Statthalter von Cambodunum (Kempten) nach Augusta Vindelicorum verlegt und steigt damit zum Hauptort der Provinz Raetien auf. Das Stadtrecht selbst erhielt es aber erst im Jahr 121 durch Kaiser Hadrian.



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Quellen:

  • Wege in die Vergangenheit in Tirol, Christine Zucchelli (ISBN 978-3-7022-3339-6) Tyrolia Verlag TIPP!
  • Via Claudia Augusta, Christoph Tschaikner (Project Via Claudia Augusta, vorwiegend touristische Vermarktung aber auch hilfreiche Hinweise zum historischen Verlauf)
  • Untersuchungen am Lermooser Prügelweg und dem Geleisestraßenrest von Biberwier, Johannes Pöll
  • Außerfern, Richard Lipp
  • EXTRA VERREN 2006 - Römische Straßenspuren im Außerfern, Klaus Wankmiller
  • EXTRA VERREN 2006 - Vom Werden des Außerferns, Richard Lipp
  • Der Bezirk Reutte - Das Außerfern, verschiedene Autoren
  • Der Auerberg / Band I, Günter Ulbert
  • Der Lech, Eberhard Pfeuffer
  • Die Römer in Bayern, Czysz - Dietz - Fischer - Kellner
  • De Bello Gallico v. Gaius Iulius Caesar, Übersetzung und Erklärung von Friedrich Kraner
  • EXTRA VERREN 2012 - Ehrwald vor 2000 Jahren, Robert Leitner
  • Via Claudia Augusta und Römerstraßenforschung im östlichen Alpenraum, Walde - Grabherr (IKARUS)
  • Die Alpen in Frühzeit und Mittelalter, Ludwig Pauli
  • Ehrwald - Chronik des Zugspitzdorfes, Otto Haudek
  • St. Magnus - Apostel des Allgäus, Stefan Vatter
  • Infotafel in Ehrwald - Robert Leitner
  • Geschichte der Stadt und der gefürsteten Grafschaft Kempten, Johann Baptist Haggenmüller (1840)
  • Der Ursprung Füssens am Fluss, an der Straße und der Brücke über den Lech, Matthias Thalmair
  • Die Via Claudia Augusta in der Kernstadt von Füssen, Magnus Peresson
  • EXTRA VERREN 2009 - Die Via Claudia Augusta in Unterpinswang - Zum Verlauf zwischen Stiglberg und Kratzer, Thomas Tischer

Weblinks:


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