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Die Weltkriege im Außerfern



1. Weltkrieg




Die Notlage im Außerfern


"Herr Sekretär Feichtinger verwies auf die in jeder Hinsicht günstige militärische Lage, nach der der Enderfolg nur mehr vom wirtschaftlichen Durchhalten abhänge. Die Vorräte seien nun in jeder Richtung zu Ende und unsere letzten Reserven seien die Viehbestände. In ergreifenden Worten schilderte der Redner die Not in den Städten und erklärte es als eiserne Notwendigkeit, heute in unsere Viehbestände einzugreifen, um die Millionen in den Städten zu erhalten. Sobald wieder mehr Zuschübe an Getreide, und Mehl erfolgen, werde auf eine Herabsetzung der Fleischquote gedrängt werden. Gegen die übermäßigen Anforderungen der Heeresverwaltung müsse mit allen Mitteln Stellung genommen werden. Auf Grund der neuen Viehzählung werde von nun an eine gerechtere Aufteilung erfolgen, bei der die kleinen Besitzer mehr geschont werden. Bezüglich der Lieferung von Nutzvieh an das Zillertal erklärte der Redner, dass das eine freiwillige Sache sei und keine Gemeinde dazu gezwungen werden könne. Jede Gemeinde habe es in der Hand, den Abverkauf von Vieh zu verhindern. Der Gemeindevorsteher von Tannheim referierte über die traurigen Ernährungsverhältnisse im Tannheimertal. Das Tal, das kein Getreide erzeuge, und ganz auf die Einfuhr angewiesen sei, habe man in Innsbruck bei der Ernährung ganz vergessen, nicht aber die Einberufungen, Steuern und Requisitionen. Die Leute haben nicht einmal mehr ein Stück Brot. Es sei Zeit, dass der Herrschaft der Zentralen ein Ende gemacht werde. Altbürgermeister Bauer brachte folgende Resolution in Vorschlag:
'Die Abgeordneten werden ersucht, bei der Regierung mit aller Energie darauf hinzuwirken, dass eine bessere Versorgung mit Lebensmitteln für den an Bodenerzeugnissen armen Bezirk Reutte in die Wege geleitet wird. Zunächst ist im Bezirk so viel Milch, Butter und Käse zu belassen, dass die einheimische Bevölkerung nicht Not leidet. Äußerst wichtig ist die Zuweisung von so viel Edelmehl, dass Brot gebacken werden kann. Der Bezirk Außerfern bekommt in Bezug auf seine Produktion, in sich abgeschlossen und aller Zuschübe bar, so wenig, dass er leider genötigt ist, um fortbestehen zu können, seine einzig mögliche Abgabe von Milch, Butter und Käse notgedrungen zu vermindern, insolange eine entsprechende Erhöhung der Mehlzuschübe nicht erfolgt.'

Bei der Wechselrede über diese Angelegenheit kam so recht das traurige Los des vernachlässigten Außerfern zum Ausdruck, dass ohne Mehlzuschübe, und ohne Kartoffeln direkt hungert, und es wurde der Bezirk mit Recht als der schlechtversorgteste und ärmste des Landes bezeichnet. Bezirksobmann Bauer besprach dann den unheilvollen Einfluss einer verfehlten Preispolitik auf die Produktion und beantragte folgende Resolution:
'Die Herren Abgeordneten werden ersucht, die Regierung mit allem Nachdruck auf die große Gefahr aufmerksam zu machen, die durch die, die Erzeugungskosten nicht mehr deckenden niederen Preise von Milch und Butter entsteht; dadurch werden die Bauern gezwungen, die Milchwirtschaft aufzugeben und sich einzig auf die Viehzucht einzurichten. Im Interesse der Konsumenten und ganz besonders in Rücksicht auf die Versorgung der Städte ist dringend zu verlangen, dass die Milchpreise auf mindestens 50 h per Liter und der Butterpreis auf 10 K per Kilo erhöht wird.'

Nach Annahme dieser Resolution wurden noch Forderungen bezüglich Zuweisung von Leder(?) erhoben, da unter den jetzigen Verhältnissen eine Bearbeitung besonders der Bergmähder für weiterhin geradezu unmöglich sei."

Allgemeiner Tiroler Anzeiger vom 7. Mai 1918




2. Weltkrieg


Bomber-Absturz


Am 22. Januar 1944 stürzte ein Bomber der Alliierten Luftstreitkräfte im Bereich des Kreuzkarsees nahe Hinterhornbach ab. Eine Bergung der Mannschaft sowie der Maschine konnte in dem steilen Felsterrain nicht durchgeführt werden.
Noch heute sind Teile der Maschine in dem kleinen Kreuzkarsee zu sehen, da diese im Laufe der Jahre vom Wandfuß durch die Witterungseinflüsse (Schnee) und dem natürlichen Erosionsprozess das Kar hinab in den See verfrachtet wurden.

Luftkampf über dem Außerfern



Propeller der B24 Liberator, welche etwa 200 m nördlich der Lermooser Kirche in das Moos stürzte
Am 3. August 1944 wurde über dem Ehrwalder Becken die größte Luftschlacht Tirols ausgefochten. Dabei griffen zahlreiche deutsche Jagdflieger von Westen kommende amerikanische Bomber an und brachten mehrere davon zum Absturz. Einer stürzt am Ortsrand von Lermoos in das Moos, 4 Maschinen gehen im Gemeindegebiet von Biberwier nieder (Wampeter Schrofen, Wannig, südöstlich von Biberwier, Brendlkar) und 1 Bomber zerschellt im Bereich der Ehrwalder Alm.

Aus den Maschinen wurden insgesamt 16 lebende und 14 tote Besatzungsmitglieder geborgen. Aber auch auf deutscher Seite gab es zahlreiche Abstürze von Jagdfliegern wie etwa in Berwang, Ehenbichl, am Grubigstein (Biberwier), Martinau (Elmen), Stanzach und der Tuftlalm bei Lermoos.

Am 22. Februar 1945 wird dann der Bezirkshauptort Reutte von einem Bombenangriff heimgesucht, welcher acht Opfer aus der Zivilbevölkerung fordert und mehrere Häuser im Bereich des Bahnhofes stark beschädigt oder zur Gänze zerstört.



Tirol rückt ins Zentrum des Befreiungskampfes der Alliierten


Es war ein Bericht des Schweizer Geheimdienstes, welcher die Alliierten Streitkräfte aufhorchen ließ und den Kriegsschauplatz endgültig in unsere Region verlegte. Darin war zu lesen, dass die nationalsozialistische Führungsschicht vorhabe sich im Falle eines Zusammenbruches der deutschen Abwehr mitsamt den SS-Truppen in die Berge Tirols oder des Allgäus zurückzuziehen um sich dort einzuigeln und einen erbitterten Kampf zu führen. Tatsächlich spielte Franz Hofer, der Gauleiter von Tirol-Vorarlberg, mit dem Gedanken eine "Alpenfestung" im schweizerischen Stil zu errichten.

Im November 1944 verfasste er zu diesem Zweck ein Memorandum, welches er mit der Bitte um sofortige Weiterleitung an Adolf Hitler an die Reichsleitung schickte. Martin Bormann, der Sekretär des Führers, behielt dieses Schreiben aber offenbar vorerst zurück. Erst Anfang April 1945 wurde Hofer für die Erläuterung seines Schreibens zu Hitler zitiert.

Zu diesem Zeitpunkt war aber durch den Oberbefehlshaber der amerikanischen Streitkräfte Tirol bereits zum Primärziel erklärt worden. Sofort nach Überqueren des Rheins steuerten schlagkräftige Divisionen gegen Süden, hin zu den Alpen. Gauleiter Hofer gab den Befehl die Gaugrenzen abzuschotten und es wurden zahlreiche Panzersperren errichtet. Im Außerfern befanden sich diese in Vils und am Fernpass im Bereich des Blindsees, sowie in Grän. Um den Vormarsch der Amerikaner aufzuhalten wurde von der Wehrmacht sogar die damalige Gemstalbrücke am Gaichtpass sowie die Lechbrücke bei Lechaschau gesprengt.

Nach dem Krieg


Bei Vils stürzt am 16. Juli 1945 eine B-17 Flying Fortress der 94th Bomb Group (410th Bomb Squadron) mit der Kennung 44-8149 während eines Frachtfluges ab und zerschellt an einer Felswand. Alle sieben Besatzungsmitglieder kommen dabei ums Leben, die Leichen werden in den darauf folgenden Tagen mit Hilfe einheimischer Kräfte durch die US-Army geborgen und abtransportiert.

Aluminum Overcast.1
Flying Fortress B17-G - © Bzuk via Wikimedia Commons
verstorbene Besatzungsmitglieder

Rolland Catton
Wayne Dutler (Corporal)
Leonard Ehlers
Lawrence Foley (Lieutenant)
Russell O'Rourke (Sergeant)
Walter Sutherland (First Lieutenant | Pilot)
Walter Trout (Lieutenant)

Quellen:







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