start | suche | alpin | region | geschichte | natur | bilder | service | links | FORUM | kalender | shop

Sie sind hier: Startseite - Region - Geschichte - Sagenschatz
 
 

Sagenschatz

 

 

 

 

Der Hexenplatz am Säuling

Über dem Talbecken von Reutte erhebt sich der Säuling, auf dessen Spitze die Hexen der ganzen Umgebung sich ein Stelldichein geben, um auf ihrem Tanzboden mit dem Satan Gelage zu feiern.

Als zu Pfingsten 1886 der auch im Außerfern sehr beliebte und verehrte Bayernkönig Ludwig II. im Starnberger See seinen Tod fand, hißten die Bürger von Reutte zum Zeichen der Trauer auf der Gipfelstange des Säulings eine schwarze Fahne. Als man nach einiger Zeit die Fahne wieder einziehen wollte, fand man merkwürdigerweise das Tuch derart kompliziert verknüpft vor, dass es niemandem gelang, die Knoten aufzulösen. Nach Meinung des Volkes hatten die Hexen während eines Gelages die Knoten ins Tuch geschlungen.
 


Der Klaushund

Die Gegend um die Ehrenberger Klause war nie geheuer und seit geraumer Zeit erschreckt dort ein schwarzer Pudel, der sogenannte Klausenhund, durch seine drohende Haltung und sein wütendes Gebell die Wanderer, die des nachts durch dieses Gebiet müssen.

Der Sage nach handelt es sich hierbei um den Geist eines Verräters, der zur Zeit des Dreißigjährigen Krieges den Schweden den Weg durch die Ehrenberger Klause in den Rücken der Landesverteidiger gezeigt hat. In jeder Nacht, in welcher sich der Verrat jährt, muss der Hund von Ehrenberg bis zum Arlberg und wieder zurück laufen.
 


St. Mang und der Drache

In grauer Vorzeit kam der hl. Magnus, vom Volksmund nur St. Mang genannt, in das breite Tal des unteren Lech, in jene Gegend. wo heute Reutte und Füssen liegen. Der fromme Mann wollte sich in der selbst gewählten Einsamkeit ein Kirchlein als Andachtsstätte erbauen; da verwehrte ihm ein riesiger Drache den Weg. In Gottes Namen nahm der Heilige den ungleichen Kampf mit dem Untier auf. Das Kreuz baumelte um seinen Hals, geweihtes Brot steckte er in seine Tasche, er nahm Harz und Pech mit, und in der Hand trug er den Wanderstab des hl. Gallus.

So gerüstet schritt er dem Drachen entgegen, der sich mit weitaufgesperrtem Maul dem Manne entgegenwarf. Da aß der Heilige vom geweihten Brot und warf das Harz und das Pech mit dem Ruf: "Herr, mein Gott, komm Deinem Diener zu Hilfe!" dem Drachen in den Schlund, worauf sogleich eine mächtige Flamme aufloderte und das Tier verzehrte.

St. Mang pries die Kraft Gottes und schritt zu einer Felsenhöhle, in der der Drache gehaust hatte. Den Eingang zur Höhle beschattete ein wunderschöner Apfelbaum, an welchem herrliche Früchte hingen. St. Mang beschloss, an dieser Stelle ein Kloster mit seinem Namen zu gründen. Später entwickelte sich aus dem Kloster die Stadt Füssen.

Von dem gleichen Heiligen erzählt man sich auch folgende Legende: Dort, wo der Lech kurz vor seinem Austritt aus Tirol zwischen steilen Felsen nur ein schmales Bett findet, predigte der hl. Magnus einst das Evangelium, als ihn ein großer Drache schnaubend verfolgte. Da sprang der Heilige flüchtend über die tiefe Schlucht auf das andere Ufer, so dass sich die Spur des Mannes in den Felswänden eindrückte. Noch heute ist diese Fußspur im Felsen zu sehen, der das Volk den Namen Mangtritt gab.

Eine andere Sage erzählt, dass die Spur eigentlich auf Cäsar zurückgehe, der auf seinem Eroberungszug mit seinem Pferd die Lechschlucht übersprang, so dass die Pferdehufe sich im Stein abdrückten.


Wie der Haldensee entstand

Da, wo jetzt der Haldensee liegt, ist vor vielen hundert Jahren ein Bauernhof gestanden. Es ist der größte und schönste Hof im ganzen Tal gewesen. Die weiten Wiesenhalden haben bestes Futter gegeben, kräftiges Heu und duftendes Grummet. Auf den Feldern ist Brotfrucht gewachsen im Übermaß und Flachs für schneeweißes Linnen die Kästen voll. Im Stall sind viele Kühe gestanden, Ochsen und Pferde, und etliche große und kleine Schweine haben das ganze Jahr hindurch darin wohlbehaglich geschnurchelt. Kein Wunder, dass der Bauer der reichste Mann gewesen ist weitum und manche Truhe hat anfüllen können mit Gold und Silber bis zum Rand herauf. Der übergroße Reichtum aber ist ihm nicht zum Segen gewesen, denn er hat seinen Sinn stolz gemacht und sein Herz verhärtet. Kein Armer hat Hilfe bei ihm finden können, und kein hungriger Bettler hat auch nur das kleinste Stücklein Brot bekommen. Seine Finger haben viel lieber Geld gezählt als die Perlen des Rosenkranzes, und der Klang seines Goldes ist ihm angenehmer gewesen als das Orgelspiel und Chorgesang beim Gottesdienst. Der Bauer hat drei Töchter gehabt, und alle drei sind sehr schön gewesen. Doch auch sie hat der viele Reichtum verblendet und hoffärtig und bösherzig gemacht. In Samt und Seide sind sie des Sonntags zur Kirche gefahren, aber nicht, um den Herrgott zu loben und ihres Seelenheils wegen, sondern um sich bewundern und beneiden zu lassen. Selbst als die jüngste Tochter durch eine böse Augenkrankheit erblindet ist, sind sie nicht besser geworden. Da ist der Tod gekommen und hat den Bauern geholt. Die Töchter haben wohl ein prunkvolles Begräbnis veranstaltet und sind im prächtigen Trauerkleidern hinter dem Sarg einhergeschritten, aber von wahrer Herzenstrauer ist nichts vorhanden gewesen.

Bald darauf sind sie darangegangen, das reiche Erbe zu teilen. Wie sie die großen Schatztruhen geöffnet haben, ist ihnen das Staunen und Wundern gekommen, denn diese Menge an Gold und Silber hat selbst ihr kühnstes Erwarten noch weit übertroffen.
Gierigen Auges haben die beiden älteren die Schätze beschaut, und mit nicht minderer Gier die Blinde darin herumgewühlt. Da wäre wohl alles Zählen eine müßige Sache gewesen, und darum haben sie einen Scheffel genommen und einfach ausgemessen. Also haben sie geteilt, einen Scheffel gestrichen voll für die älteste. einen Scheffel gestrichen voll für die zweite und den dritten Scheffel auch gestrichen voll für die jüngste. Das erste mal ist es dabei ganz ehrlich zugegangen, aber schon beim nächsten mal haben die beiden älteren Schwestern die Blinde schändlich betrogen. Als sie ihren zustehenden Teil bekommen sollte, haben sie den Scheffel einfach umgedreht und nur den kleinen Raum zwischen Boden und Rand gefüllt. Die Blinde hat nur mit der Hand darübergefühlt, ob das Maß auch voll sei und ist zufrieden gewesen. Später einmal aber hat sie hinabgewühlt und den Betrug entdeckt. Da ist ihr Gesicht rot und verzerrt worden vor Zorn. Sie hat den Scheffel vom Tisch gestoßen, die Faust gegen den Himmel gestreckt und mit furchtbarer Stimme geschrien: "Betrug! Betrug! Gottes Strafgericht komme über uns! Verflucht sei all der Reichtum, verflucht auch eure schändlichen Seelen! Möge sich die Erde auftun und alles, alles verschlingen!" Dann hat sie mit beiden Händen in die Truhen gelangt und das Gold und Silber in der Stube herumgeworfen und zum Fenster hinaus. Dabei hat sie gelacht, ganz schrecklich gelacht und wie eine Irrsinnige gerufen: "Gold, Gold, gutes Gold! Ha, wie das klingt! Wer will davon haben? Ich geb´s scheffelweis´her. Für zwei Herzen drei Scheffel, fünf Scheffel für die Seeligkeit! Ha, ha, ha! Gold! Billiges Gold!"

Bleich vor Schrecken und mit entsetzten Augen haben die Schwestern dem Wüten der Blinden zugesehen. Keine hat gemerkt, wie sich dunkles Gewölk über den Bergen zusammengeballt hat, bis der erste Blitz herniedergefahren ist und ein Donnerschlag das ganze Haus hat erzittern lassen. Da hat auch schon der Boden angefangen zu beben und zu schwanken. Die Erde ist auseinandergerissen worden, und mit wildem Gerumpel ist alles in den dunklen Abgrund versunken. Ungehört sind die Jammerschreie und Hilferufe der Schwestern verhallt, und niemand kann wissen, ob ihnen der Herrgott noch die Gnade gegeben hat, ein letztes Gebet zu sprechen. Tosende Bäche sind von den Bergen herabgestürzt und haben den versunkenen Reichtum, das Haus und den Hof, die Felder und das Vieh, aber auch den Geiz und den Neid, die Habgier und den bösen Fluch mit Fluten schmutzigen Wassers zugedeckt. Ohne Aufhellung ist der schreckliche Tag in die Nacht übergegangen, und kein einziger Stern hat aufgeleuchtet in dieser Finsternis. Erst am Morgen hat das Tosen aufgehört, und die wilden Wasser sind wieder zu sanften Bächlein geworden. Das düstere Gewölk hat sich verzogen, und der Schmutz im Wasser ist zu Boden gesunken. Als dann die Sonne gekommen ist, hat sie auf einen klaren See geschienen, der das ganze Tal erfüllt hat von einem Berghang bis zum anderen. Der Morgen ist darübergehuscht und hat den Spiegel gekräuselt, und leichte Wellen sind mit lustigem Geplätscher ans Ufer gesprungen. Sonst ist tiefe Stille gewesen und heiliger Friede ringsum. Nichts hat mehr Zeugnis gegeben von den Schrecknissen des vergangenen Tages.


Die schlauen Weiber von Elmen

Im Dreißigjährigen Krieg, als die Schweden heranrückten und auch das Außerfern bedrohten, hatten es die Lechtaler nur den schlauen Weibern von Elmen zu verdanken, dass sie vom Feinde verschont blieben. Und das kam so: Keuchend und atemlos meldete eines Tages ein Bote, dass die feindlichen Truppen im Herannahen wären. Da griffen die Weiber von Elmen zu einer List. Auf einem Hügel stellten sie der Reihe nach eine dichte Zahl von Heumandln auf, bekleidete diese mit Joppen und Mänteln, setzten ihnen die weithin sichtbaren Schützenhüte auf, so dass die Schweden aus der Ferne glauben mußten, eine geschlossene Reihe von wehrhaften Tirolern vor sich zu haben.
Bei Einbruch der Dunkelheit entzündeten die Frauen auf dem Hügel eine Reihe von Wachtfeuern und tatsächlich gelang ihnen der Trick. Die Schweden zogen sich zurück und verschonten das Dorf. Seit jenem Tag aber dürfen die Frauen von Elmen vor den Männern in der Kirche zum Opfer gehen.


Die drei verwunschenen Jungfrauen in der Weißen Wand

Im obersten Tannheimer Tal trieb einst ein Hirtenknabe seine Schafherde auf den Bogner Berg und legte sich in der nähe der sogenannten Weißen Wand zum Schlaf nieder. Als er erwachte, war schon der Abend hereingebrochen, und als er erschrocken seine Herde sammeln wollte, fand er sie nirgends mehr.

Da standen plötzlich drei Jungfrauen vor ihm und trösteten ihn mit der Versicherung, dass er sich um die Schafe nicht mehr zu kümmern brauche, die seien schon gut aufgehoben. Zugleich baten die Jungrauen den Buben, er möge doch nicht davonlaufen, sondern sie, die Verwunschenen, erlösen. Freilich sei das ein schweres Werk, aber wenn es ihm gelinge, so werde er ein steinreicher Mann. Drei harte Proben müsse er bestehen. Zuerst werde ihn ein furchtbarer Drache bedrängen, der dürfe sich aber nicht rühren und nicht umschauen, sondern müsse tapfer standhalten. Dann werde es sein, als stürzten Berge und Felsen über ihn herein, um ihn zu erdrücken, aber auch da dürfe er sich nicht fürchten und nicht mucksen. Das dritte Probestück sei aber so schrecklich, dass sie es dem Hirten gar nicht näher beschrieben.

Er nahm sich vor, recht tapfer und ruhig zu sein, komme, was da wolle, Den Drachen bestand er richtig, als aber dann ein furchtbares Krachen und Poltern erscholl, als würden die Berge rings um ihn einstürzen und ihn erschlagen, da schrie der Knabe angstvoll auf. Und schon war das Spiel verloren. Er hörte unter dem Felsen ein Klingeln und Klirren, als ob tausend Silbertaler in die Tiefe des Berges rollten, und aus dem Dunkel tönte das Wehklagen der drei Jungfrauen, die vergebens auf ihre Erlösung gewartet hatten. Allein stand der Knabe nun mit seinen Schafen, die sich wieder blökend um ihren Hirten scharten, in der finsteren Nacht.


Die Nagelkiste von Kreckelmoos

Mit einer schweren, eisenbeschlagenen Kiste kam in alter Zeit ein Ritter, wohl auf der Flucht vor dem Feind, zu einem Bauern nach Kreckelmoos und bat um ein Nachtlager. Ehe er am nächsten Tage die Weiterreise antrat, bat er den Bauern, die Kiste aufzubewahren, bis er sie wieder einfordere. Er machte den Bauern jedoch darauf aufmerksam, dass er die Kiste unter keinen Umständen öffnen dürfe.

Der Bauer hielt sich an sein Versprechen und jahrelang stand die Kiste unberührt. Der Ritter hatte nie mehr etwas von sich hören lassen und eines Tages überkam den Bauern, als er zufällig die Kiste wieder einmal sah, doch die Neugierde und er öffnete sie. Zu seinem Erstaunen fand er sie mit Nägeln gefüllt. Das kam dem Bauern komisch vor und er begann die Kiste auszuräumen. Und siehe da. Die Nägel hatten nur als Tarnung gedient. Unter ihrer versteckenden Schicht kam ein riesiger Goldschatz zutage. Keinem Menschen erzählte der Bauer von seinem Fund, er konnte es jedoch nicht lassen, sich aus dem Schatz zu bereichern. Eines Tages forderte nun der Ritter die Kiste schriftlich zurück, bekam von dem Bauern aber keine Antwort. Jedoch, das unrechte Gut verfolgte den Bauern nach seinem Tode. Viele Jahre musste er als ruheloser Geist durch die Räume seines Hauses schreiten, bis einer seiner Nachkommen endlich den Rest des Schatzes den Erben des Ritters aushändigte und somit das Unrecht seines Ahnen wenigstens teilweise wieder gutmachte.


Lechtaler Hexenkünste

Wie überall in Tirol, gab es auch im Lechtal zu alter Zeit Hexen, die auf manch sonderbare Art und Weise entdeckt wurden.
Einmal aß ein Jäger aus Holzgau auf seinem Anstand gemütlich seine Speckbrotzeit, als ein furchtbares Gewitter losbrach und ihn vertrieb. In wildem Zorn schleuderte der Jäger sein Messer in das wilde Wetter hinaus und siehe da, das Messer verschwand spurlos im Tosen der Luft. Viele Jahre später kehrte der Jäger, der sein unachtsames Tun längst vergessen hatte, in einem Wirtshaus im oberen Lechtal ein und erkannte zur Verwunderung auf dem Tisch sein Messer wieder. Neugierig fragte er den Wirt, wie er zu dem Messer käme. Zornerfüllt blickte ihn der Wirt an und meinte böse: "Wenn i nur wüsst, wem das Messer gehört, dem wollt´i schon helfen! Das Messer hat man meiner Tochter, als sie vor Jahren einmal schwer krank war, aus der Hüfte gezogen!"

Dem Jäger schauderte, denn er wusste nun, das die Wirtstochter die Hexe war, die das Unwetter damals gebraut hatte. Als Strafe war ihr das Messer in die Hüfte gefahren.
Ohne sich als Besitzer des Messers zu erkennen zu geben, verabschiedete sich der Jäger schnell und kehrte nie mehr wieder in diesem Wirtshaus ein. Allerdings schleuderte er auch nie mehr wieder im Zorn ein Messer in die Luft.

Ähnlich wie dem Jäger war es auch einem Bauern ergangen, dessen Kuh plötzlich nicht mehr fressen wollte. In seiner Verzweiflung suchte er ein altes Zauberbuch mit merkwürdigen roten und schwarzen Kreuzen aus der untersten Lade seiner Wäschetruhe, schloss sich mit diesem Buch in den Stall ein und besprach die Kuh. Schließlich warf er ein Messer in die Ecke des Stalles und siehe da, es half. Die Kuh wurde wieder gesund.

Groß war seine Verwunderung, als am nächsten Tag die Magd des Nachbarn kam und um ein Hausgerät zur Ausleihung bat. Freundlich fragte er, wie es dem Bauern gehe. Aber die Magd fing zu klagen an und meinte, der Bauer liege seit gestern mit einer schweren Fußwunde im Bett und niemand wisse, woher er diese habe. Da erkannte der Bauer schlagartig, wer seine Kuh verhext hatte.